Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

06. Dezember 2022, 15:00 Uhr

0032

Pieter Coecke van Aelst und Werkstatt

(Aelst 1502 - 1550 Brüssel)

„Die Heilige Familie“
1529
Öl auf Holz; parkettiert
91 x 58 cm (gebogener Abschluss)
Datiert rechts oben: 1529

Provenienz

belgische Privatsammlung;
Auktionshaus im Kinsky, Wien, 7. Juni 2005, Lot 1;
Privatbesitz, Wien

Schreiben Dr. Erik Vandamme, Antwerpen 2002 und 2003 liegen bei (in Kopie).
Das Gemälde ist in der Datenbank des Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie, Den Haag (RKD), unter der Nummer 7479 verzeichnet.

Schätzpreis: € 35.000 - 70.000

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Pieter Coecke van Aelst zählt zu den bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten Antwerpens in der ersten Hälfte des 16. Jahrhundert. Zunächst Schüler von Barend von Orley (1491/92-1542) in Brüssel, reiste er in den 1520er Jahren nach Italien und hielt sich unter anderem in Rom auf. 1527 kehrte er in seine Heimat zurück und wurde als Meister in die Antwerpener Lukasgilde aufgenommen.
In seiner florierenden Werkstatt waren zahlreiche Mitarbeiter tätig. Er war unter anderem Lehrer seines Schwiegersohns Pieter Brueghel dem Älteren (um 1525/30-1569). Erfolgreiche Kompositionen wurden in der Regel vom Meister selbst, aber auch von seiner Werkstatt und deren Umkreis aufgrund der hohen Nachfrage mehrfach variiert und wiederholt.
Im Gegensatz zu den meisten seiner Kompositionen sind von vorliegendem Werk kaum Wiederholungen bekannt (eine wohl schwächere Version ist beispielsweise als Schwarzweißabbildung im RKD unter der Nr. 45561 verzeichnet). Die geringe Verbreitung der Komposition veranlasste 2002/3 Dr. Erik Vandamme zu der Feststellung, dass vorliegendes Gemälde wohl speziell in Auftrag gegeben und schon kurz nach der Entstehung aus der Werkstatt an den Kunden geliefert wurde, so dass es nicht mehr weiter als Vorlage für andere Wiederholungen dienen konnte. Dies, die hohe Qualität der malerischen Ausführung und die Datierung 1529 unterstreichen die Annahme, dass der Meister selbst an der Entstehung der vorliegenden Tafel beteiligt war.
Das Gemälde besticht durch die perfekte Harmonie von flämischen und italienischen Renaissance-Elementen. So basiert die prächtige Landschaft im Durchblick links auf der flämischen Tradition, die architektonischen Dekors sind jedoch eindeutig italienisch inspiriert. Auf diese Weise schmelzen der flämische Realismus und der italienische Idealismus auf ausgewogene Weise zusammen.