Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

06. Dezember 2022, 17:00 Uhr

0308

Anton Romako

(Atzgersdorf bei Wien 1832 - 1889 Wien)

„Marmorfuhre in der Campagna“
um 1857/1860
Öl auf Leinwand
84 x 132 cm
Signiert und bezeichnet links unten: A. Romako / a Roma

Provenienz

Galerie L.T. Neumann, Wien;
Privatbesitz, Österreich

Literatur

Vergleiche: Cornelia Reiter, Anton Romako. Pionier und Außenseiter der Malerei des 19. Jahrhunderts. Monographie mit Werkverzeichnis, Wien 2010, S. 118, WV-Nr. 69, S. 125, WV-Nr. 100-101

Schätzpreis: € 70.000 - 140.000

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Von 1857 bis 1876 lebte der in der Nähe von Wien geborene Anton Romako in Rom, wo er als Porträtist, aber vor allem auch als Genremaler erfolgreich war. Das Alltagsleben der italienischen Landbevölkerung bot ihm hierzu eine Fülle an Motiven: Schafhirten oder Viehtreiber in der Campagna, Frauen bei der Getreide- und Obsternte, Bauern vor einem Madonnenbild. Derartige Genreszenen bildeten die Grundlage für Romakos Erfolg zu seiner Zeit in der "Ewigen Stadt". Darstellungen mit realistisch aufgefasster, aber auch leicht romantisierter Landidylle entsprach dem Geschmack der damaligen Zeit und erfreuten sich auch bei Touristen großer Beliebtheit.

Vorliegendes Werk zeigt ein Sujet, welches Romako mehrmals, jedoch in Variationen, dargestellt hat. Mit einem Ochsenkarren wird ein schwerer Marmorblock transportiert, den Hintergrund bilden antike Ruinen und am Horizont sind die Dächer und Kuppeln Roms erkennbar. Die gefährliche Fahrt verlangt vom Wagenlenker vollen Körpereinsatz, und die Dramatik der Szenerie wird noch zusätzlich durch den Abendhimmel, der von der untergehenden Sonne in helles Blau, Rosa, Gelb und Orange getaucht ist, unterstrichen. Spannung und Leuchtkraft zeichnen dieses Werk aus, welches stilistisch vor allem im Vordergrund, bereits Romakos typische Handschrift trägt. Die plastischen, aus feinen, "nervösen" Linien gestalteten Pflanzen am Wegesrand oder der Fahrer des Karrens - der in seiner Haltung an einen antiken Streitwagenlenker erinnert - zeigen den Beginn einer Entwicklung, die erst in Romakos Spätwerk voll zur Entfaltung kommen sollte, und symbolische Komponenten eine wesentliche Rolle spielen werden. (MS)