Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

06. Dezember 2022, 17:00 Uhr

0206

Rudolf von Alt

(Wien 1812 - 1905 Wien)

„Palermo“
1867
Aquarell auf Papier
29,5 x 72,6 cm
Signiert links unten: R. Alt
Bezeichnet und datiert rechts unten: Palermo 22. Mai (1)867

Provenienz

2008 Kunsthandel Wienerroither & Kohlbacher, Wien;
dort erworben, seither Privatsammlung, Wien

Schätzpreis: € 25.000 - 50.000

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Rudolf von Alt reiste bereits in jungen Jahren, gemeinsam mit seinem Vater Jakob, im Jahr 1833 zum ersten Mal nach Italien. Dort, die Reise ging bis nach Venedig, sammelte er erste Eindrücke für die sogenannte „Guckkastenserie“, die im Auftrag von Erzherzog Ferdinand, dem späteren Kaiser, entstehen sollte. 1835 schließlich ging die Reise von Vater und Sohn noch weiter in den Süden, und zwar bis nach Rom und Neapel.

In Italien kam der junge Künstler erstmals mit dem intensiven Sonnenlicht des Südens in Kontakt, welches die Farben leuchten lässt und Alts Farbpallette fortwährend beeinflusste. Rudolf von Alt liebte Italien, das fröhliche Treiben der Menschen, die malerischen Städte mit ihren Bauwerken, die mediterrane Landschaft sowie die Intensität der Farben, beeindruckten den Künstler nachhaltig. Jedoch dauerte es mehr als zwanzig Jahre, bis er sich wieder nach Italien begab. In den 1860er und 1870er Jahren hingegen besuchte Alt die Apenninenhalbinsel nun regelmäßig.

Im Frühjahr 1867 unternahm Alt, im Auftrag des Wiener Kunsthändlers Georg Plach, eine Studienreise nach Sizilien, wo er sich ungefähr drei Monate aufhielt. Mit der Eisenbahn fuhr der Künstler vorerst nach Rom. Nachdem er die Karwoche dort verbracht hatte, reiste er mit dem Dampfschiff weiter nach Neapel und schließlich bis Palermo (Ankunft am 14. Mai). Hier malte er, laut seinen Aufzeichnungen, 24 Aquarelle. Vorliegendes Werk ist bald nach seinem Eintreffen in Palermo entstanden, trägt es doch die Datierung 22. Mai 1867. Alt zeigt die heute in dieser Form nicht mehr existierende Küstenpromenade mit ihren Prachtbauten. Hauptaugenmerk legte er jedoch auf Luft und Wasser, so nehmen Himmel und Meer zwei Drittel des Blattes ein, welches dem Künstler offenbar zu klein war und von ihm selbst auf der rechten Seite mit einem Streifen Papier vergrößert wurde.

Als Alt in Palermo weilte kam es zu einer furchtbaren Cholera-Epidemie, doch Alt wollte unbedingt noch weiterarbeiten, um seine Blätter fertigzustellen. Der diplomatische Vertreter Österreichs nahm sich schließlich des Künstlers an und sorgte für seinen Abtransport in die Quarantäne auf der Insel Nisida bei Neapel (21. August). Alt erkrankte dort an schwerem Fieber, doch Anfang September konnte er vom Lazarett nach Neapel entlassen werden. Von der Krankheit geschwächt verbrachte er noch mehrere Wochen zur Erholung in Neapel, um am 10. Oktober endlich abzureisen. (Vgl. Koschatzky, Rudolf von Alt, Wien 2001, S. 235, ff.)