Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

06. Dezember 2022, 17:00 Uhr

0359

Tina Blau

(Wien 1845 - 1916 Wien)

„Partie aus dem Prater (Frühling)“
um 1880/81
Öl auf Leinwand
83 x 47,5 cm
Signiert rechts unten: T. Blau
Rückseitig auf Etikett handschriftlich bezeichnet: T. Blau Wien / Prater Frühling Preis 8 ...;
rückseitig am Keilrahmen Nr. 107 (Kunstverein München)

Provenienz

1881 Ankauf zur Verlosung des Münchner Kunstvereins - verlost an den Kunstverein Nürnberg;
Privatbesitz, Nürnberg;
Privatbesitz, Baden Würtemberg

Ausstellung

1881 Berlin, Königliche Akademie der Künste, LV. Ausstellung, Nr. 72 (Abb. S. 13)
1881/82 München, Kunstverein

Literatur

Tina Blau, Handschriftliche Werkliste ausgestellter und verkaufter Gemälde, 1869-1916, Nr. 57;
Kunstverein München (Hg.), Verzeichnis der für das Jahr 1881 angekauften Kunstwerke nebst dem Resultate der am 16. Februar 1882 stattgehabten Verlosung derselben, München 1882, Nr. 107;
Markus Fellinger/Claus Jesina, Tina Blau. Online-Werkverzeichnis, Österreichische Galerie Belvedere, Wien 2022, WV-Nr. GE 358;

Wir danken Dr. Markus Fellinger (Belvedere, Wien) und Mag. Claus Jesina, für die wissenschaftliche Unterstützung.

Schätzpreis: € 50.000 - 100.000

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Die 1845 als Tochter eines k.k. Militärarztes in Wien geborene Regina Leopoldine Blau, kurz Tina genannt, zählt zu den bekanntesten Wiener Malerpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. Entscheidend für die Entwicklung ihres künstlerischen Stils war vor allem die Auseinandersetzung mit Werken der „paysage intime“ der Schule von Barbizon, die sie auf der Münchner Glaspalastausstellung von 1869 sah, sowie die Begegnung mit dem Landschaftsmaler Emil Jakob Schindler. Mit ihm unternahm sie mehrere Studienreisen, u.a. 1873 nach Szolnok in Ungarn und im Sommer 1875 nach Holland. Das ursprünglich gemeinsame Atelier im Wiener Prater nutzte die Künstlerin ab dem Jahr 1879 alleine. Tina Blau legte größten Wert darauf, nicht als eine Schülerin Schindlers gesehen zu werden, sondern als eigenständige Künstlerkollegin, die nicht nur im Austausch mit Schindler, sondern auch im regen Kontakt zu anderen erfolgreichen nationalen und internationalen Landschaftsmalern stand. So wusste sie auch ihre künstlerische Eigenständigkeit zu bewahren, denn mehr als Schindler setzte sie sich mit der französischen Malerei auseinander und legte im Gegensatz zu ihm das Augenmerk nicht auf die Stimmung, sondern auf die gesehene Wirklichkeit. Ihrer Zeit voraus, ging sie unbeirrt ihren Weg und war in einer von Männern geprägten Welt als Künstlerin überaus erfolgreich.

Wie sehr ihre Werke bereits zu Lebzeiten geschätzt wurden, zeigt auch der Ankauf eines Ihrer Hauptwerke für die Kaiserliche Gemäldegalerie im Jahr 1899. Das großformatige Gemälde "Frühling im Prater" (267 x 340 cm), welches 1882 entstanden ist, befindet sich auch heute noch in der Österreichischen Galerie Belvedere (Inv.-Nr. 2233). Der Wiener Prater zählte zu Blaus Lieblingsmotiven und sie hat Ansichten aus diesem stadtnahen Naturgebiet mit seinen Aulandschaften, alten Bäumen, Wiesen und Wegen, völlig menschenleer oder auch mit Spaziergehern, viele Male festgehalten. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema begann bereits im Jahr 1867, wo erste Studien im Prater entstanden. Als die Künstlerin jedoch im Jahr 1877 gemeinsam mit Emil Jakob Schindler ein Atelier im Prater bezog, entstanden in der Folge erstmals größere Pratergemälde. Als genaue Beobachterin konnte sie hier die Wirkung des Lichts studieren und verstand es dieses mit beeindruckender Intensität und Ausdrucksstärke festzuhalten. So auch in vorliegender Arbeit, wo sie neben einem starken Natureindruck vor allem auch die besondere Atmosphäre eines strahlenden Frühlingstages zu schildern verstand. (MS)