Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

06. Dezember 2022, 17:00 Uhr

0203

Franz Alt

(Wien 1821 - 1914 Wien)

„Motiv aus Neapel“
1871
Aquarell auf Papier
35,4 x 27,7 cm
Signiert, bezeichnet und datiert unten mittig: Franz Alt. Neapel 28. July 1871.
Sammlungsstempel von Erzherzog Ludwig Viktor rechts unten: bekröntes Monogramm VL

Provenienz

Sammlung von Erzherzog Ludwig Viktor (1842-1919), Schloss Kleßheim bei Salzburg;
dessen Nachlass-Versteigerung, Dorotheum Wien, 30.05.1921, Nr. 14, Tafel 4 (SW-Abb.);
Privatbesitz, Wien

Schätzpreis: € 25.000 - 50.000

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Franz Alt, der um neun Jahre jüngere Bruder Rudolfs, wurde am 16. August 1821 geboren. Wie sein älterer Bruder war auch er zunächst Schüler seines Vaters. Seine akademische Ausbildung begann er mit dem Eintritt in St. Anna im Jahr 1836, spezialisiert auf das Porträtfach. Bald zeigte sich, dass seine Neigung nicht zum Porträt, sondern ebenso wie bei Vater und Bruder zur Landschaftsmalerei drängte. So nahm ihn der Vater zu einer ersten Studienreise im Jahr 1844 nach Tirol und Oberitalien mit, wo er seine frühesten Arbeiten schuf. 1846 entstand durch die Vermittlung des Malers Johann Nepomuk Schödlberger (1779-1853) für Franz eine lebensentscheidende Verbindung. Graf Casimir Eszterházy hatte gerade die Herrschaft Tarvis gekauft und wollte von dieser Gegend ein Album anfertigen lassen. Schödlberger schlug Franz Alt vor, der daraufhin in zwei Sommern über 40 Aquarelle von Tarvis und Umgebung malte und in einem Album vereinte. In der Folge erhielt Franz Alt nun, durch Eszterházy vermittelt, weitere Aufträge aus der ungarischen Aristokratie. In Begleitung seiner Förderer bereiste er in den folgenden Jahren Mittel- und Südeuropa, u.a. Belgien, Holland, England, Frankreich, Russland, Italien und hielt seine Eindrücke in zahlreichen Skizzen und Aquarellen fest. 1867 erhielt Franz eine Einladung von Erzherzog Karl Ludwig (1833-1896), dieser wünschte ihn als Begleiter auf einer Reise nach Spanien und Portugal, zu dieser Zeit war der Künstler bereits sehr anerkannt und am Höhepunkt seiner Karriere angelangt.

Eine wichtige Reise sollte 1871 jene nach Neapel sein, auf der wohl auch unser Blatt entstanden ist. Danach nahm Franz erst wieder 1873 seine Studienreisen auf, und zwar erst dann, als er in Wien zahlreiche Aufgaben für die Weltausstellung erfüllt hatte.

Ab 1867 hat es lange Zeitperioden gegeben, in denen Franz mehr Ansehen genoß als sein Bruder Rudolf. Er wurde ihm in Ausstellungen vorgezogen und verkaufte glänzend. Das Werk des Künstlers umfasst weit mehr als 2000 Blätter. Trotz seiner zahlreichen Reisen war Franz Alt jedoch am liebsten in Wien, wo er auch 1914 starb. (Vgl. Walter Koschatzky, Rudolf von Alt, Wien 2001, S. 244 ff.)