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Auktion: Alte Meister

14. Dezember 2021, 15:00 Uhr

0025

Hieronymus Bosch Nachfolger

(Niederlande um 1450/60 - 1516 's-Hertogenbosch)

„Limbus – Abstieg Christi in die Unterwelt“
16. Jahrhundert
Öl auf Holz, parkettiert
96 x 132 cm

Provenienz

(laut Auskunft der Einbringer):
aus dem Besitz der Grafen Sandor von Szlavnicza;
Adalbert von Sandor von Szlavnicza (1889-1972), Oberregierungsrat und Rittmeister, Wien;
seither durch Erbschaft in Privatbesitz, Wien

€ 150.000 - 300.000

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Hieronymus Bosch gilt als Erfinder und Inbegriff des Skurrilen, Abstrusen, Dämonischen und Monströsen. Seine phantasievollen, anziehenden und gleichzeitig abschreckenden Wesen begeisterten nicht nur damals wie heute die Betrachter, sondern beeinflussten schon ab ihrer Entstehung im ausgehenden 15. und beginnenden 16. Jahrhundert die Künstlerschaft bis in die Gegenwart. Viele von Boschs zeitnahen Anhängern sind heute namentlich nicht mehr bekannt. Neben den als klassische Bosch-Nachfolger geltenden Künstlern, wie Jan Mandyn (ca. 1502-1560), Pieter Huys (ca. 1519-1584) oder Jan Wellens de Cock (ca. 1475/80-1528), sind es auch hochberühmte Antwerpener Meister, die sich von ihm inspirieren ließen. Allen voran ist hier Pieter Brueghel der Ältere (1525/30-1569) zu nennen, z.B. in seinen Blättern der (Kupferstich-)Serie „Die sieben Todsünden“ von 1558 (vgl. Michael Philipp, Verkehrte Welt. Das Jahrhundert von Hieronymus Bosch, Ausst. Kat. Bucerius Kunst Forum, Hamburg 2016, S. 122-129).
Besonders die Darstellungen der Hölle, welche dem Menschen nur als unvorstellbares Szenario erscheint, ließen dem Künstler kreativen Raum für seine Phantasiewesen, die er zumeist aus Versatzstücken menschlicher und tierischer Körper konzipierte. Gerade die Kombination mit dem Bekannten, Menschlichen, möglichst in der Idealvorstellung, erhöht jedoch die Spannung und Identifikation des Betrachters, so z.B. in Boschs Garten der Lüste (um 1490/1500, Prado, Madrid, Inv.Nr. P002823). Während die Mehrheit der aus der Bosch-Nachfolge überlieferten Limbus-Darstellungen sich nur auf den Teil der Unterwelt konzentriert, z.B. jene eines flämischen Meisters in der Sammlung des Kunsthistorischen Museums, Wien (vgl. Gerd Unverfehrt, Hieronymus Bosch. Die Rezeption seiner Kunst im frühen 16. Jahrhundert, Berlin 1980, Abb. 192; KHM Inv. Nr. 2715), findet sich ebendiese emotionssteigernde Zweiteilung auch in vorliegendem Gemälde.

Es zeigt den Abstieg Christi in die Unterwelt („Höllenfahrt Christi“), welchen er gemäß der Überlieferung in der Nacht nach seiner Kreuzigung unternommen haben soll, um jene Seelen zu befreien, die bislang ohne eigenes Verschulden vom Himmel ausgeschlossen waren. Der auch als Vorhölle bekannte „Limbus“ wurde als der Teil der Hölle verstanden, in welchem sich im Gegensatz zu den Verdammten ungetaufte Kinder (Limbus puerorum), aber auch die Seelen der Frommen seit Adam und Eva bis vor Christi Geburt befanden (Limbus patrum).
Die rechte, mit einer glühenden Feuersbrunst hinterfangene Bildhälfte repräsentiert die Hölle, Ort der ‚verlorenen‘ Seelen, in der ein von monströsen Wesen beherrschter Phantasieraum geschaffen wurde. Einzelne Elemente verweisen auf den Ideengeber Hieronymus Bosch, z.B. das Mühlrad als Foltermaschine oder Teufel, welche den Gequälten Speisen oder Getränke einflößen. Sie werden jedoch nicht nur malerisch, mit lockerem Duktus, sondern auch kompositorisch auf neue Weise inszeniert. Das Motiv des „tierischen Teufels“, eine Leiter emporklimmend, findet sich bei Bosch immer wieder, jedoch zumeist sehr kleinteilig, beispielsweise im Heuwagen-Triptychon (um 1512-1515, Prado, Madrid, Inv.Nr. P002052), (Abb 2.). In vorliegendem Gemälde bildet er, dazuhin noch einen Menschen kopfüber verschleppend, das zentrale Bildelement. Diesem verleiht der Künstler zudem Nachdruck, indem der Dämon mit männlichen und weiblichen Merkmalen, sowie katzenartigem Gesicht, den Betrachter mit direktem Blick in seinen Bann zieht.
Als kompositorisches Gegengewicht erscheint die hell erleuchtete Christusfigur samt Kreuz, welche links des Mittelturms auf die Mischgestalt zuzuschweben scheint. Er ermöglicht es den Erlösten, das Höllentor zu durchbrechen, während sie von den oberhalb positionierten Kreaturen verhöhnt werden. Das linke Drittel erweitert die meisten traditionellen Bosch-Interpretationen jedoch um die ikonographische Besonderheit der aus dem ‚Limbus patrum‘ befreiten Seelen. So sind am unteren Bildrand, auf der Seite der Erlösten, die Hauptprotagonisten des Alten Testaments dargestellt. Sie werden identifiziert durch ebenso detail- und phantasiereich gestaltete Attribute: Adam und Eva, Moses mit den Gesetzestafeln, Noah seine Arche schulternd, Jona und der Walfisch, sowie König David samt unter ihm liegender Harfe. Im nun zu freundlicher Helligkeit übergehenden Hintergrund ist vor einer Stadt, wohl Jerusalem, die neutestamentarische Heilsgeschichte mit Kreuzigung und Auferstehung ganz am linken Bildrand dargestellt. Mit seiner herausragenden Komposition stellt das Gemälde somit eine Simultangeschichte von Erde, Himmel und Hölle dar – eine Thematik, die bis heute Nichts an ihrer Aktualität eingebüßt hat.