Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

16. Dezember 2021, 16:00 Uhr

2017

Alfons Walde*

(Oberndorf 1891 - 1958 Kitzbühel)

„Begegnung“
um 1922
Öl, Tempera auf Papier auf Karton
46,3 x 53,3 cm
Monogrammiert rechts unten: A/W

Provenienz

Privatbesitz, Tirol;
Privatbesitz, Deutschland

Gutachten von Verena Gschnitzer-Konzert, Innsbruck, 16.12.2019, liegt bei (Titel dort: Sonntag).
Das Bild ist im Werksarchiv von Alfons Walde mit der Nummer D-FI-307 registriert.

€ 100.000 - 200.000

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Nicht der Tätigkeit der Tiroler Bauern galt Alfons Waldes Interesse, sondern der Sonntags- und Feiertagsstimmung im dörflichen Ambiente. Das vorliegende, um 1922 entstandene Gemälde stellt eine für das Bildrepertoire Waldes charakteristische und oft variierte Szene aus dem bäuerlichen Sonntagsleben dar: auf dem verschneiten Platz hat eine schnellen Schrittes vorbei eilende Kirchgeherin in Festtagstracht die Aufmerksamkeit eines Bauern erregt. Im Vorbeigehen halten die beiden in der Schrittbewegung kurz inne und tauschen in einer Rück- und Vorwärtsdrehung Grußworte aus, bevor sie in entgegen gesetzte Richtungen weiter gehen. Pointierter und in einer formal schlüssigeren Bildsprache kann das Thema der "Begegnung" wohl kaum malerisch artikuliert werden. Eine im Hintergrund dargestellte zweite Kirchgeherin, deren kräftig rote Schürze als farblicher Akzent auf der zentralen Bildachse hervorleuchtet, komplettiert die figürliche Dreiergruppe des winterlichen Genremotivs.
Mit großer Klarheit in der Komposition und radikaler Beschränkung der Ausdrucksmittel von Farbe und Form betont Walde das Allgemeingültige der wiedergegebenen Szene. Im engen Bildausschnitt wird der Dorfplatz aus leichter Vogelperspektive gesehen und oben durch schmucklose, von der Bildkante beschnittene Gebäudemauern begrenzt. Im Wissen um die Wirkung von Kontrasten setzt der Maler die Silhouetten der Kirchgeher in dunkler Tracht vor eine helle, monochrome Hintergundskulisse. Bemerkenswert und für Walde charakteristisch ist, dass der braune Malgrund in vielen Bildpartien - vor allem im Weiß des Schnees und entlang der Umrisslinie der Figuren - sichtbar bleibt. Der im Farbauftrag ausgesparte Bildträger avanciert damit zu einem darstellenden Element in der Bildkomposition. Waldes Farb- und Formenkanon erreicht größte expressive Ausdruckskraft durch äußerste Reduktion der malerischen Mittel.
(Claudia Mörth-Gasser)