Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

16. Dezember 2021, 16:00 Uhr

2026

Leo Putz

(Meran 1869 - 1940 Meran)

„Im Atelier“
1903
Öl auf Leinwand
119 x 115 cm
Signiert links unten: Leo Putz
Rückseitig alte Ausstellungsetiketten

Provenienz

Christie's London, 07.10.1999, Nr. 48;
italienischer Privatbesitz;
Auktionshaus im Kinsky, 03.03.2010, Nr. 50;
Hassfurther Wien, 06.12.2010, Nr. 14;
Hassfurther Wien, 30.11.2015, Nr. 15;
österreichische Privatsammlung

Literatur

Wilhelm Michel, Leo Putz - Ein deutscher Künstler der Gegenwart, Leipzig 1908, Tafel 27 (Abb.);
Helmut Putz, Leo Putz 1869-1940. Werkverzeichnis in zwei Bänden, Gauting 1994, Band I, S. 78 mit Farbabb. sowie Band II, S. 632, Nr. 227 b (Abb.)

€ 50.000 - 100.000

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Leo Putz war es vergönnt zu jenen Malern zu zählen, die bereits zu Lebzeiten künstlerisch große Anerkennung erlangt haben. Er gehörte schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit seinen von Licht durchfluteten, dem Impressionismus verbundenen Bildern zu den erfolgreichsten Künstlern in München und wurde auch über die Grenzen hinaus sehr geschätzt. Bereits 1885, mit nur sechzehn Jahren, ging der aus Meran stammende Künstler nach München, um eine künstlerische Ausbildung zu beginnen. 1897 wurde er Mitglied der Münchner Secession und war Mitbegründer der Künstlervereinigung „Die Scholle“. Um 1901 löste er sich vom Naturalismus seiner Ausbildung und wandte sich der impressionistischen Malweise zu, in der sich Putz als großer Könner der bildlichen Umsetzung von Lichtstimmungen und des subtilen, sinnlichen Farbauftrages erwies. Die Hauptthemen seiner Kunst waren dabei die Natur und die weibliche Figur, die er sehr reizvoll bildlich in Szene zu setzen wusste.
Im wunderbaren, frühen Werk „Im Atelier“ aus dem Jahr 1903 versetzt Putz den Betrachter in eine Innenraumszene. Eine hübsche, junge Frau sitzt auf einer Chaiselongue, an deren Seitenteil sie gelehnt ist. Sie scheint sich gerade erst entkleidet zu haben. Ihr Gewand liegt neben ihr auf dem Möbelstück. Aus dem Unterrock, den sie in ihrer rechten Hand hält, ist sie noch nicht ganz herausgestiegen. In dieser Pose ermöglicht sie dem Betrachter den Anblick auf ihren schönen, makellosen Körper. Ihr Blick ist dabei auf etwas außerhalb des Bildausschnittes gerichtet. Überaus attraktiv sind das helle, fein abgestimmte Inkarnat ihrer Haut und die unglaubliche Plastizität ihres Körpers, die Putz durch eine feine Farbwahl und die Lichtführung geschaffen hat. Die charmante Szene ist bereichert durch blühende Rosen, die daneben liegend und in einer Vase drapiert sind und in wunderschönem Dunkelrosa und Gelb leuchten. Man kann sich den herrlichen Rosenduft, den sie wohl verströmen, gut vorstellen. Im Stoffbezug der Chaiselongue ist das Rosenmotiv noch einmal aufgegriffen. Durch die feine Lichtabstufung der Malerei und die gefühlvolle Zusammenstellung der Farbpalette entsteht eine besonders harmonische und reizvolle Atmosphäre der Atelierszene, die natürlich auch einer gewissen Erotik nicht entbehrt.
(Sophie Höfer)