Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. Dezember 2021, 14:00 Uhr

3065

„Guernica“
2005
Plastilin auf Platte (zweiteilig); ungerahmt
240 x 200 cm
Rückseitig bezeichnet, signiert und datiert: Guernica Gelitin 2005

Provenienz

Galerie Meyer Kainer, Wien;
seither Privatbesitz, Oberösterreich

€ 25.000 - 50.000

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Die Künstlergruppe Gelitin (vormals auch Gelatin und Gelitins) setzt sich aus den vier Freunden Florian Reither, Wolfgang Gantner, Tobias Urban und Ali Janka zusammen. Ihrem eigenen Mythos folgend lernten sie sich bereits 1978 in einem Sommercamp kennen, und „spielen“ und arbeiten seither zusammen. Ein Salzburger, ein Schattendorfer, ein Wiener und ein Münchner fanden einander, aus der ursprünglich größeren Gruppe Galettenne wurde Gelitin (dazu: Liam Gillick, Galettene: Cake or Sex or All Three. The true story of Gelitin, 21er Haus, Wien 2013).

1993 begannen die vier Rollen- und Identitätsverweigerer, gemeinsam Projekte zu realisieren und erregten mit ihren Aktionen, Installationen und Skulpturen bald internationales Interesse. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch eine unbändige Kreativität und Lebenslust, gepaart mit kindlich-anarchischer Frechheit aus, die den Betrachter gerne miteinbeziehen, wobei sich Gelitin in Genre, Thematik und Material keine Grenzen setzen und ständig weiter experimentieren. „Die verrückten Possen von Florian, Wolfgang, Tobias und Ali tragen die Künstlichkeit sogenannter „schöner“ und „anspruchsvoller“ Kunst ab, um die rohe Kreativität darunter freizulegen.“ (Mark Sanders, in: Another Magazine 15/2008, S. 436) Viele Projekte entstehen erst anhand des vorgefundenen Raums oder bereits vorhandener Materialien aus dem Alltag, es werden Bezüge zu aktuellen Thematiken ebenso hergestellt wie zu Ikonen der Kunstgeschichte. Manch eine Installation führt den Betrachter auch auf eine sinnliche Reise zurück in die Kindheit und zu einer „penetrant wie rücksichtslosen Freiheitsentfaltung“. ("Inspiring Decadence", by Herbert Lachmayer, Parkett 79, 2007, S. 163)

In der Serie „Guernica“ setzen sich die vier Künstler mit einem der berühmtesten Werke der Kunstgeschichte, Picassos Darstellung eines Luftangriffs im spanischen Ort Guernica, auseinander. Der erschütternden, schockierenden Stimmung des Kriegsbildes wird die leicht formbare, ursprüngliche Kreativität des Plastilins gegenübergestellt, ein Material, das jeder aus seiner Kindheit kennt. In kleinteiligen Knetgrimassen und Formen entsteht ein dichter, höllenartiger Brei, in dem sich Kindlichkeit und Schrecken die Hand reichen.

(Ina Waldstein)