Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. Dezember 2021, 14:00 Uhr

3210

Ernst Fuchs*

(Wien 1930 - 2015 Wien)

„Cinderella I“
1988-1998
Öl auf Leinwand; gerahmt
180 x 109 cm
Rückseitig signiert und datiert: Ernst Fuchs 1998 beendet
Bezeichnet von fremder Hand: Cinderella (1)

Provenienz

Sammlung Stronach

Literatur

Ausstellungskatalog anlässlich der Ausstellung von Ernst Fuchs in der Staatlichen Tretjakow Galerie Moskau, Monaco 2001, S. 198.

€ 100.000 - 200.000

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Universalkünstler, Erotomane, Fantast. Ernst Fuchs selbst sah sich gerne als Malerfürst. Das spiegelte er auch nach außen. Mit Käppchen, Bart und Rolls-Royce avancierte er zum Gesamtkunstwerk. Standesgemäß bewohnte der Exzentriker die Otto Wagner Villa in Hütteldorf, wo er Weltstars wie Falco, Grace Kelly und Yoko Ono empfing und porträtierte. Fuchs war Maler, Grafiker, Bildhauer, Designer, Architekt, Liedermacher und Autor – ein Tausendsassa mit vielen Visionen. Geboren 1930 in Wien, zeigte er schon früh ein ausgeprägtes Interesse für die Kunst. Für sein Vorbild Peter Paul Rubens, ließ er sich als Jugendlicher auf Ernst Peter Paul taufen. Mit Rubens verband ihn nicht nur der opulente Lifestyle, sondern auch das Interesse am weiblichen Akt. Ernst Fuchs, dessen Vater als Jude die Flucht aus Österreich nach Shanghai gelang, wurde 1942 im Wiener Stephansdom getauft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte er an der Wiener Akademie bei Robin Christian Andersen und Albert Paris Gütersloh. Seine konsequente Adaption des Surrealismus wurde durch einen mehrjährigen Aufenthalt in Paris gestärkt. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit Arik Brauer, Rudolf Hausner, Wolfgang Hutter und Anton Lehmden als Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Fuchs war weltoffen, er lebte in Paris und Monaco, bereiste Europa und die USA und hielt sich im Dormitio-Kloster in Israel auf. In Anlehnung an die Alten Meister, dem Surrealismus und Manierismus schuf er figurative Bilder mit religiösen und mystischen Inhalten. Sein künstlerischer Kosmos beruht auf der Metamorphose persönlicher und traumähnlicher Erfahrungen. Zu seinen Freunden zählten Salvador Dalí und Friedensreich Hundertwasser.

Neben Porträts, Heiligen, Apokalypsen und Visionen beschäftigte sich Ernst Fuchs intensiv mit der Darstellung des weiblichen Körpers als Ausdruck für Sinnlichkeit und Leidenschaft. So auch in dem großformatigen Ölbild Cinderella I, das Fuchs über einen Zeitraum von zehn Jahren malte. Mit seiner erotisch lasziven Darstellung versuchte der Maler den Transfer des barocken Schönheitsideals ins 20. Jahrhundert. Fuchs präsentiert uns eine selbstbewusste und starke Persönlichkeit, eine Femme fatale, die mit ihren körperlichen Attributen den voyeuristischen Blick des Betrachters in ihren Bann zieht. Leicht bekleidet mit Federhut, Reizwäsche und goldenen High Heels steht sie eingebettet vor einem illusionistischen Hintergrund, in dem organische und florale Elemente zu einem farbenfrohen Spektrum vereint werden. In seiner Darstellung von Erotik steht er im Dialog mit Rubens‘ barockem Ideal, den Fuchs zeitlebens schätzte.

(Stefan Üner)