Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

14. Dezember 2021, 16:30 Uhr

0263

Johann Matthias Ranftl

(Wien 1805 - 1854 Wien)

„Mutter und ihre Kinder am Heimweg von der Kirche“
1836
Öl auf Holz
30 x 24 cm
Signiert und datiert rechts unten: Ranftl 1836
Rückseitig auf Rahmen nummeriert: 3660 / K 487;
rückseitig auf Holzplatte nummeriert: 3660

Provenienz

Galerie Maria Almas-Dietrich, München (erworben in Wien, laut Aussage Almas 12.3.1949);
Sonderauftrag Linz (Projekt „Führermuseum“, Linz-Nr. 435);
während des 2. WK Außendepot Kremsmünster (Nr. K 487) und Bergung im Salzbergwerk Altaussee (Nr. 2398);
1945 Central Collecting Point der Alliierten, München (registriert 10.7.1945, Mü.-Nr. 3660);
Juni 1949 Übergabe an die BRD;
Leo Spik, Berlin, 21.2.1963, Nr. 76, Tafel 19 (Versteigerung im Auftrag der BRD);
Neumeister, München, 22.10.2019, Nr. 708;
österreichischer Privatbesitz

€ 18.000 - 35.000

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Bereits im Alter von etwa 13 Jahren besuchte Johann Matthias Ranftl, angeregt durch seine kunstliebende Mutter, die Wiener Akademie bei Johann Baptist Lampi und Anton Petter. Zu Beginn seiner Karriere schuf der junge Ranftl hauptsächlich Porträts und Historiendarstellungen. Eine noch während dieser Zeit stattfindende Studienreise in die Schweiz und nach Deutschland regte ihn an, sich auch der Landschaftsmalerei zu widmen. Nach seiner Rückkehr wurde er Schüler von Johann Peter Krafft. 1826 unternahm er eine weitere Reise, diesmal nach Russland, wo er bei Hof empfangen wurde. In dieser Zeit schuf Ranftl zahlreiche Porträts sowie eine Reihe von Illustrationen zu Puschkins „Eugen Onegin“. In seiner Wiener Zeit nach 1831, in welcher auch das vorliegende Gemälde geschaffen wurde, wandte sich Johann Matthias Ranftl mehr und mehr dem Genrebild zu. Er schuf vorrangig Gemälde mit bäuerlichen Themen, Darstellungen von Kindern und, mit besonderer Vorliebe, von Hunden, was ihm den Spitznamen „Hunde-Raffael“ einbrachte.

Vor einem malerisch bewölkten Himmel ist eine junge Frau mit zwei Kindern zu sehen. Die junge Mutter tritt soeben, die kleine Tochter auf dem Arm haltend, auf einen Stein, um das seichte Wasser des Baches zu überqueren. Hinter ihr steht ein in Lederhosen gekleideter blonder Knabe. Die Schuhe der Mutter in der einen Hand, hält er ein Gebet- oder Gesangbuch fest mit der linken Hand an sich gedrückt. Hinter den sattgrünen Hügeln der idyllischen Landschaft ist im rechten Hintergrund der Ausgangspunkt des Fußmarsches zu erkennen - eine Kirche mit Zwiebelturm.
Ranftl verstand es meisterlich, in vorliegender Genreszene die Ruhe und Idylle einer sonntäglichen Aktivität, wie der des Kirchgangs, wiederzugeben. Die Protagonisten und die Landschaft vereinen sich hier gleichsam zu einem Sinnbild romantischer Friedlichkeit. (IH)