Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

05. Mai 2021, 16:00 Uhr

0336

Max Weiler*

(1910, Absam bei Hall i. Tirol - 2001, Wien)

„Aus dem Zyklus "Als alle Dinge..."“
1960
Gouache auf Papier; gerahmt
79 x 62,2 cm
Monogrammiert und datiert rechts unten: W 60

Literatur

Vgl. Fahlström, Salzburger Landessammlungen Rupertinum (Hg.), Weiler. Zyklus, Als alle Dinge...; eine Folge von 29 Bildern aus 1960/61, Salzburg 1991;
vgl. Morath-Vogel (Hg.), "Als alle Dinge...", Der Meister-Eckhart-Zyklus von Max Weiler, Erfurt 2003.

€ 15.000 - 25.000

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“Als alle Dinge in tiefem Schweigen lagen und die Nacht in der Mitte ihres Laufes war, da kam vom Himmel, vom königlichen Throne, O Herr, Dein allmächtiges Wort.” (Meister Eckhart, nach dem Buch der Weisheit, 18,14.15, Altes Testament)

Den Worten folgend setzt Max Weiler diesen Satz in 29 großformatigen Leinwandbildern um, begleitet von mehreren Gouachen auf Papier. Es geht ihm dabei nicht darum, die sprachliche Sentenz wortwörtlich zu illustrieren, sondern malerisch die spirituelle Bedeutung des Spruchs begreifbar zu machen.

Aus diesem Anspruch heraus entstehen starkfarbige, gestische Kompositionen, die dennoch einen stark meditativen Charakter aufweisen. Gleichzeitig markiert der Zyklus „Als alle Dinge“ einen Wendpunkt im Werk Max Weilers. Er bedient sich der Stilmittel des Informel und dessen impulsiver Expressivität, um einen neuen Anfang zu wagen. Diesen Akt der Entfesslung kommentiert er so: „Ich bin endlich dort angekommen, wo die Kunst angekommen ist… um zuletzt sich zu befreien und selbst Dinge zu machen, die sich neben die Naturdinge stellen, aber selbstverständlich selbst auch Natur sind“ (Max Weiler, Tag- und Nachthefte, 21.1.1961). Aufstieg und Herabkunft werden verdeutlicht durch wuchtige nach oben strebende Pinselstriche und lichtdurchtränkte Farbfelder. Es geht nicht darum, die einzelnen Bildelemente mit Bekanntem zu assoziieren, „sondern sie als einen reinen Energietransfer auf sich zu beziehen. Sie bedeuten eine ganz namenlose Realität“. Eine Realität zwischen „absoluter Ruhe und intensiver Bewegung“ (Gottfried Bohem, Der Maler Max Weiler. Das Geistige in der Natur, Wien 2001, S. 218 f.), deren Vereinigung nur durch das Potenzial der freien Farbe möglich ist.
(Sophie Cieslar)