Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

05. Mai 2021, 16:00 Uhr

0342

Karl Prantl*

(1923, Pöttsching - 2010, Pöttsching)

„Stein zur Meditation“
1982
Serpentin, Tauerngrün
250 x 25 x 4,5 cm

Provenienz

Privatbesitz, Deutschland

€ 25.000 - 50.000

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In den 1980er Jahren ist der Bildhauer Karl Prantl zu einem der erfolgreichsten österreichischen Künstler avanciert. Dass sein Name auch international Bekanntheit erlangt hat, ist nicht einzig der Erfolgsgeschichte seiner Bildhauer-Symposien geschuldet, die er von 1959 bis 1976 im Steinbruch St. Margarethen im Burgenland abhielt, und die in der ganzen Welt Nachfolge fanden. Mit seiner minimalistischen Formensprache nimmt Karl Prantl eine herausragende Position in der Nachkriegskunst ein.
Prantls puristische Steinskulpturen basieren auf Kreisform, Quadrat und Linie. Oftmals glättet und poliert Prantl die Oberflächen seiner Steine, wodurch deren Maserung, die Körnung und die Pigmentierung, stärker zur Geltung kommen. Der vorliegende Stein erstreckt sich herausragende zweieinhalb Meter in den Raum und lässt sich auch noch länger denken, wenngleich zwei weiße, parallel liegende Adern, diagonal zur schlanken Form angeordnet, die horizontale Ausdehnung zu unterlaufen scheinen. Die Länge der Skulptur lässt die Monumentalität und Masse der ursprünglichen Materie erahnen. Zugleich wirkt der schlanke, puristische Stein elegant und fragil und scheint losgelöst von seiner körperlichen Schwere. Die Reflexionen des Lichts an der glatten Oberfläche verleihen ihm eine feierlich-sakrale Note und eine sphärische und magische Aura. Prantls Skulpturen dienen als Orte und Instrumente der Kontemplation und Meditation. Sie sollen nicht nur geistig erfahren, sondern auch berührt und gefühlt werden, zum Sitzen, Lehnen, Ruhen und Liegen gedacht sein. Oftmals bezeichnete der 2010 verstorbene Bildhauer seine Skulpturen deshalb auch als „Meditationen“ oder „Anrufungen“. Er besinnt sich damit auch auf die kultisch-religiösen und mythisch-symbolischen Funktionen von Opfer- und Gedenksteinen.

Prantl selbst versenkte sich mit Leib und Seele in seine Arbeit am Stein und stellte dabei eine sinnliche Beziehung zu seinem Werkstoff, sowie zur Natur selbst her. Diese Bedeutung körperlicher und geistiger Erfahrung, die während des Arbeitsprozesses und der Rezeption der Steinskulpturen gemacht wird, verbindet Karl Prantl mit nur wenigen seiner Zeitgenossen.
(Isabell Kneidinger)