Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

17. Juni 2026, 14:45 Uhr

3159

Anton Romako

(Atzgersdorf bei Wien 1832 - 1889 Wien)

„Die Lieblingshenne“
zwischen 1873 und 1876
Öl auf Holz; gerahmt
77 × 60 cm
Signiert rechts oben: N. Okamor
Rückseitig Etikettenrest: (A)u(s)ste(ll)ung Dresden 1904.

Provenienz

Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Dan. Thum, Wien (da das Bild bereits im Einlaufbuch des Wiener Künstlerhauses 1889, Nr. 1197, als Eigentum Dr. Thum aufscheint, dürfte dieser der Erstbesitzer gewesen sein);
Wawra, Wien, 236. Auktion, Versteigerung der Sammlung Viktor Zuckerkandl, 26. Oktober 1916, Nr. 92 (SW-Abb.);
Albert Kende, Wien, 115. Kunstauktion, 21.-23. Juni 1932, Nr. 258, Tafel 7 (SW-Abb.) (als "Kleines blondes Mädchen, das Töchterchen des Malers, mit einem Hahn in Händen" betitelt);
Krankenfürsorgeanstalt d. Angestellten u. Bediensteten der Stadt Wien (Cottage-Sanatorium, Wien);
in den späten 1960er Jahren in der Galerie Theodor Schebesta, Wien, erworben;
seit damals österreichischer Familienbesitz

Im Jahr 2018 ist zwischen der Krankenfürsorgeanstalt der Angestellten u. Bediensteten der Stadt Wien und dem Einbringer ein Prozess über das Kunstwerk ausgetragen worden, den der Einbringer gewonnen hat. Das Gericht hat festgestellt, dass ihm und niemand anderem das Gemälde zustehen könnte.

Ausstellung

1889 Wiener Jahresausstellung;
1904 Dresden;
1905 Wien, Galerie Miethke, Nr. 7

Literatur

Friedrich von Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Bd. II/1, Dresden 1898, S. 464, Nr. 26;
Ludwig Hevesi, Österreichische Kunst im 19. Jahrhundert, II. Teil (1848-1900), Leipzig 1903, Abb. S. 227;
Anton Romako, Ausstellungskatalog der Galerie Miethke, Wien 1905, Nr. 7;
Ludwig Hevesi, Anton Romako, in: Altkunst-Neukunst. Wien 1894-1908, Wien 1909 (geschrieben 1905), Reprint Klagenfurt 1986, S. 121;
Fritz Novotny, Der Maler Anton Romako. 1832-1889, Wien/München 1954, S. 17, 33, 89, WV-Nr. 203, Abb. 33 (SW-Abb.);
Cornelia Reiter, Bilder vom verlorenen Paradies. Die Kinderbildnisse Anton Romakos, in: Belvedere. Zeitschrift für bildende Kunst, 1999, Heft 2, S. 68f., Abb. 1;
Cornelia Reiter, Anton Romako. Pionier und Außenseiter der Malerei des 19. Jahrhunderts. Monografie mit Werkverzeichnis, Belvedere Wien 2010, S. 73f., S. 190, WV-Nr. 332 (SW-Abb. S. 74)

Schätzpreis: € 30.000 - 60.000
erzielter Preis: € 65.000 (inkl. Gebühren und österreichischer MwSt.)
Meistbot: € 50.000
Auktion ist beendet.

Anton Romakos Kinderbildnisse nehmen in seinem künstlerischen Œuvre eine herausragende Rolle ein. Er selbst hatte vier Töchter und einen Sohn. Seine Kinder dienten ihm immer wieder als bezaubernde Modelle, wobei er wohl auch in vorliegendem Werk eine seiner Töchter porträtierte. Vor dunklem Hintergrund, leicht nach rechts gewandt, sitzt das Mädchen und hält seine Lieblingshenne innig umarmt. Der Blick des Mädchens trifft den Betrachter nicht – vielmehr scheint dieser gedankenverloren und schwermütig an einem Punkt in der Ferne zu verweilen. An der rechten Seite des Mädchens lehnt eine Schiefertafel mit Buchstaben und Ziffern, welche scheinbar kurz zur Seite gelegt wurde, um die Umarmung und somit die Emotionen dieses Moments genießen zu können.

Laut Cornelia Reiter ist die Tafel als Gegenpol zur Umarmung zu sehen – „wohl eine Anspielung auf den „rationalisierten“, kindlich spontane Emotionen unterdrückenden Ballast unserer Kultur“ (vgl. Cornelia Reiter, Anton Romako, Wien 2010, S. 73). Zugleich offenbart Anton Romako dem Betrachter in diesem Gemälde einmal mehr einen Einblick in seine Gefühlswelt, die durch einschneidende Geschehnisse im privaten Umfeld des Künstlers erschüttert wurde. Mit der Trennung von seiner Frau und seiner Rückkehr von Rom nach Wien 1876, begann für den Künstler eine Reihe von Schicksalsschlägen, von denen er sich letztlich bis zu seinem Tod im Jahr 1889 nicht mehr erholen sollte. Auf die zerrüttete Persönlichkeit des Malers lässt auch die Signatur „N. OKAMOR“ schließen. Mit der umgekehrten Abfolge der Buchstaben, die Gemälde dieser Zeit vermehrt aufweisen, wird diese zu einer Besonderheit (vgl. C. Reiter, Anton Romako, Wien 2010, S. 187). (BB)