Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

16. Juni 2026, 18:00 Uhr

Objektübersicht
Objekt

2301

Gottfried Helnwein*

(Wien 1948)

„The Child Dreams“
2025 - 2026
Öl, Acryl auf Leinwand; gerahmt

174,5 x 126 cm
Keilrahmen auf ehemaligen Paneelen des Wiener Stadttempels montiert.
Schattenfugenrahmen aus Holzteilen des ehemaligen Wiener Stadttempels.
Rückseitig auf Leinwand/Überschlag signiert und datiert (von Montierung überdeckt): G. Helnwein, 2025 – 2026

Provenienz

Schenkung des Künstlers an die IKG.Kultur (Betrieb gewerblicher Art der Israelitischen Kultusgemeinde Wien), zugunsten der Restaurierung des Wiener Stadttempels

Spenden an den BGA IKG.Kultur sind gem §4 EstG ggf. steuerlich absetzbar.
Das Auktionshaus im Kinsky berechnet für dieses Los ein Käuferaufgeld von nur 15% vom Meistbot.

Startpreis: € 50.000
erzielter Preis: € 101.000 (inkl. Gebühren und österreichischer MwSt.)
Meistbot: € 85.000


Auktion ist beendet.

Das anlässlich der Restaurierung zum 200-jährigen Jubiläums des Wiener Stadttempels entstandene Kunstwerk von Gottfried Helnwein verbindet Kunst, Geschichte und Zukunft auf besondere Weise. Helnweins Portrait zeigt ein Kind der jüdischen Gemeinde Wiens. Dieses Kind ist mehr als ein individuelles Motiv – es steht symbolisch für die jetzigen und kommenden Generationen, für die der Stadttempel als religiöses, kulturelles und gesellschaftliches Zentrum erhalten und erneuert wird.

Das Motiv des Kindes ist seit Jahrzehnten ein zentrales Element im Werk Gottfried Helnweins. Als einer der international bedeutendsten zeitgenössischen Künstler Österreichs (vertreten durch die Galerie Bastian Berlin/Paris) beschäftigt er sich immer wieder mit der Unschuld, Verletzlichkeit und zugleich der stillen Stärke von Kindern. In seinen Arbeiten werden Kinder zu Trägern universeller Bedeutungen – sie verkörpern Hoffnung, Erinnerung und Zukunft. Auch in diesem Projekt erhält dieses Motiv eine besondere Dimension: Das porträtierte Kind steht stellvertretend für die Gegenwart und Zukunft der jüdischen Gemeinde in Wien und Österreich.
Eine außergewöhnliche Verbindung zwischen Kunstwerk und dem Wiener Stadttempel selbst entsteht durch das Material. Das Gemälde wird auf einem Teil der Wandvertäfelung nach dem Entwurf von Otto Niedermoser montiert, die im Zuge der ersten Bauarbeiten aus dem Stadttempel entfernt wurde. Diese Vertäfelung hat über Jahrzehnte hinweg das religiöse und gemeinschaftliche Leben des Tempels begleitet: Generationen von Menschen haben hier gebetet, gefeiert und Abschied genommen – von der Brit Mila über Bar und Bat Mizwa bis hin zu Hochzeiten und Jahrzeiten im Andenken an Verstorbene.
Indem Helnwein sein Werk mit diesen Paneelen vereinigt, wird das Kunstwerk selbst zum Teil dieser Geschichte. Das Holz, das über lange Zeit Teil des sakralen Raumes war, verbindet sich mit einem Bild, das in die Zukunft weist. Ebenso besteht der Schattenfugenrahmen aus Holzteilen des ehemaligen Wiener Stadttempels. Damit entsteht eine besondere Symbiose von Vergangenheit und Zukunft – von Erinnerung und Kontinuität. Zugleich ruft das Werk die Wiederbegründung des jüdischen Lebens in Österreich nach der Schoa ins Gedächtnis und verweist auf die lebendige Gegenwart der jüdischen Gemeinde in Wien.

Der Erlös der Versteigerung des Bildes kommt der Restaurierung und Sanierung des Wiener Stadttempels zugute. Der Erwerb dieses Werkes bedeutet daher zugleich Teil einer besonderen Geschichte zu werden: eines Kunstwerks von Gottfried Helnwein, das in Verbindung mit dem historischen Material des Stadttempels geschaffen wurde und unmittelbar mit der Zukunft dieses bedeutenden religiösen und kulturellen Ortes verbunden ist.