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Gerhild Diesner*
(Innsbruck 1915 - 1995 Innsbruck)
„Haus des Dichters - Capri“
Öl auf Leinwand; gerahmt
60 x 70 cm
Bezeichnet und signiert rechts unten: Capri / Diesner
Provenienz
österreichischer Privatbesitz
Gutachten von Mag. Stefanie Moser-Maier, Hall in Tirol, am 04.12.2021, liegt bei.
Schätzpreis: € 15.000 - 30.000
erzielter Preis: € 37.520 (inkl. Gebühren und österreichischer MwSt.)
Meistbot: € 28.000
Auktion ist beendet.
"Die Malerei muss viel mehr als bloß ein Hobby sein. Sie ist eine Leidenschaft, die das Ganze verlangt, sonst ist alles nur halbe Malerei und halbes Leben. Die Form und Farbe so zu lieben, dass man unglücklich ist, wenn man nicht malen kann, solche Zeiten gibt es viele in meinem Leben. (...) Ich bin sehr abhängig von Stimmungen. Wenn es mir schlecht geht, male ich besser. Früher war ich viel unglücklicher und da habe ich die besten Bilder gemacht."
(Gerhild Diesner, Ateliergespräch mit Wolfgang Pfaundler, in: Das Fenster, Winter 1975/76, S. 1709)
Diesners künstlerisches Schaffen zeichnet sich durch eine besondere Affinität zur französischen Moderne aus. Innerhalb der österreichischen Kunst steht ihr Oeuvre als Bindeglied zwischen der expressiven Tradition und der abstrakten Avantgarde.
Am 4. August 1915 in Innsbruck geboren, besuchte sie zunächst die Fachschule für Damenkleidung. Mit zwanzig Jahren begann sie ihren künstlerischen Werdegang. 1935 bis 1937 lebte sie in England, besuchte dort zunächst die Chelsea Art School und dann die School of Art in Brighton. 1937 zog sie nach München, um Gebrauchsgraphik an der Akademie für angewandte Kunst zu studieren. In den Münchner Museen fand ihre erste intensive Auseinandersetzung mit der französischen Kunst statt.
Trotz der unruhigen Kriegszeiten begann sie 1943 ein Studium in Paris an der Académie André Lhote und an der École de la Grande Chaumière. Die französische Moderne wurde für ihre Kunst zur wesentlichen Inspirationsquelle. In intensiver Auseinandersetzung mit dem Fauvismus, vor allem mit Henri Matisse, entwickelte sie ihre eigenständige Handschrift als Malerin.
In den Jahren nach dem Krieg erfuhr Diesners Schaffen ihren künstlerischen Höhepunkt. Sie konnte ihre Position innerhalb des Tiroler Kunstbetriebs festigen und ihre Werke auch auf Ausstellungen in Wien, etwa im "Art Club", präsentieren. Sensationell war die Beteiligung an der Biennale für Frauen in Bozen, wo ihre Bilder neben jenen von Sonja Delaunay gezeigt wurden. Nach ihrer Scheidung von Bodo Kampmann 1953 zog sie sich gesellschaftlich zurück und ihre Ausstellungsbeteiligungen wurden geringer. Zunehmend konzentrierte sie ihre beruflichen Aktivitäten auf Tirol. Im langen Werkabschnitt bis zu ihrem Lebensende 1995 blieb sie künstlerisch jedoch äußerst produktiv und hinterließ zahlreiche Bilder, die in ihrer koloristischen Kraft und lyrischen Note überzeugen.
(Claudia Mörth-Gasser)






