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Gustav Klimt
(Wien 1862 - 1918 Wien)
„Sitzende nackte Schwangere nach links (Studie für „Die Hoffnung II", 1907/08)“
1904/05
Bleistift auf Papier; gerahmt
55,2 x 35 cm
Provenienz
Sammlung Dr. Walter Zettl, Wien - Rom;
Privatbesitz, Wien
Literatur
Alice Strobl, Gustav Klimt. Die Zeichnungen 1904-1912, Bd. II, Salzburg 1982, Nr. 1763, s/w-Abb. S. 173
Schätzpreis: € 20.000 - 40.000
erzielter Preis: € 52.000 (inkl. Gebühren und österreichischer MwSt.)
Meistbot: € 40.000
Auktion ist beendet.
Diese Zeichnung eines sitzenden, schwangeren Aktes gehört zu den frühesten, 1904/05 entstandenen Studien, durch die Klimt seine 1907/08 gemalte Allegorie „Die Hoffnung II“, ein Hauptwerk seines Goldenen Stils, vorbereitet hat (Strobl II, Nr. 1763-1766). In diesem Bild zeigt sich vor einem gold gesprenkelten Hintergrund die stehende Profilgestalt einer Schwangeren, deren reich ornamentiertes Gewand nur den Busen und den Ansatz der Bauchwölbung frei lässt. Ihr blasses, gesenktes Gesicht wirkt melancholisch; der an ihren Bauch geschmiegte Totenschädel scheint das ungeborene Leben zu bedrohen. Es ist die monumentale, kosmisch projizierte Fortsetzung des Gemäldes „Die Hoffnung I“ (1903/04), in dem eine nackte, stehende Schwangere von Ungeheuern und abstoßenden Fratzen bedrängt wird.
Von Todessymbolik kann in dieser intimen Studie des in sich hinein lächelnden Modells keine Rede sein. Im Kontext von „Die Hoffnung II“ ließ Klimt als Zeichner mehrere werdende Mütter posieren, um das Thema Schwangerschaft sowohl körperlich als auch seelisch von möglichst vielen – auch positiven – Seiten zu erkunden. Als Klimt die vorliegende Studie zeichnete, war er gerade von der schwarzen Kreide auf den schärferen Bleistift und vom Packpapier auf eine hellere, größer zugeschnittene Papiersorte übergewechselt. Äußerst behutsam folgt er, fast noch wie mit einem Silberstift, den Konturen des nackten Körpers, von den eckig markierten Schulter- und Armpartien bis zur ausladenden Kurve des schwangeren Bauchs. Besondere Aufmerksamkeit widmet er den rhythmisch artikulierten, nebeneinander ruhenden Händen, dem lächelnden Mund und den leicht unterschiedlich blickenden Augen, die den geheimnisvoll in sich gekehrten Ausdruck bestimmen. Mit Begeisterung scheint er die neuentdeckten Möglichkeiten des Bleistifts auszukosten. Auch diese konzentrierte Linienarbeit zeugt von Klimts nicht ablassender Faszination für das Mysterium des werdenden Lebens.
(Marian Bisanz-Prakken)






