Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

25. März 2026, 14:00

0538

Günter Brus*

(Ardning 1938 - 2024 Graz)

„Ostern“
Graphit auf Papier; gerahmt
44,7 x 56,8 cm
Bezeichnet rechts unten: Osten

Provenienz

direkt vom Künstler;
seither österreichischer Privatbesitz

Startpreis: € 2.600


Auktion ist beendet.

Ein persönlicher Rückblick:

Von 1957-1959 besuchte Günter Brus mit mir die Malklasse von Prof. Eduard Bäumer an der Akademie für Angewandte Kunst in Wien. Er kam aus der Kunstgewerbeschule Graz. Es entwickelte sich eine kongeniale Freundschaft. Wir waren sogar an Wochenenden mit Reißbrett und Papier unterwegs und zeichneten bei jedem Wetter (auch bei Minusgraden) im Freien. Wir bewunderten uns gegenseitig. Er schenkte mir Zeichnungen, die mir gefielen. Auch Musik verband uns - ich studierte gleichzeitig am Konservatorium der Stadt Wien Klavier. So bekam ich Freikarten für Konzerte und er bekam Freikarten von seiner Tante, die im Wiener Singverein war. Am nächsten Tag pfiffen wir die Melodien hinter der Staffelei stehend. Auch eine Autostopp-Reise zu unserem Professor nach Salzburg war sehr abenteuerlich. Als Günter mit Alfons Schilling und zwei Schülerinnen nach Mallorca reiste, um zu arbeiten (meine Eltern erlaubten es mir nicht mitzukommen), kam er mit informellen Zeichnungen zurück. Er verließ freiwillig die Akademie. Unsere Beziehung veränderte sich nach seiner Rückkehr. Ich heiratete Bruno Gironcoli und er seine Anni, jeder von uns bekam eine Tochter, ich Ina und er Diana.

(Christine Gironcoli)

Die beiden frühen Graphitstiftzeichnungen von Günter Brus fallen in die Akademiezeit des Künstlers. Das Werk „Osten“ kann man wohl um 1959 datieren, es könnte also schon nach dem Abgang des Künstlers von der Akademie entstanden sein. In diesen frühen Jahren ist Günter Brus von den deutschen Expressionisten der Jahrhundertwende, von den Künstlern des „Blauen Reiter“ und der „Brücke“, aber auch von Edvard Munch und Vincent van Gogh begeistert. Ihre Errungenschaften, ihre Fähigkeit, Empfindung in Malerei umzusetzen, will er in die eigene Kunst integrieren. Erst im Herbst 1960 beginnt er mit einer radikal gestischen, das Bildformat sprengenden Malerei. Ein bedeutendes grafisches Oeuvre entsteht schon in jenen Jahren, als Günter Brus dann in weiterer Folge als einer der wesentlichen Protagonisten des Wiener Aktionismus in die Geschichte eingeht. Seine späteren Bild-Dichtungen gehören zu den interessantesten und bemerkenswertesten grafischen Beiträgen zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.

Den begnadeten Grafiker und Zeichner kann man schon in diesen frühen Werken des jungen Künstlers erkennen. Mit sicherem Strich und einer unglaublichen Vehemenz hat er hier zwei Landschaftsstimmungen eingefangen, die trotzdem sie nur in Schwarz—Weiß gehalten sind sehr atmosphärisch daherkommen.

(Sophie Cieslar)