Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

19. Juni 2024, 14:00 Uhr

3026

Johann Liss

(Oldenburg um 1597 - 1631 Verona)

„Die Hochzeit von Bacchus und Ariadne“
um 1625
Öl auf Leinwand; gerahmt
92 x 117 cm

Provenienz

Kunsthandel J. O. Leegenhoek, Paris;
Dorotheum, Wien, 22. März 1966, Lot 78;
seither Privatbesitz, Wien

Gutachten von Prof. Dr. Kurt Steinbart, 10. Mai 1963, liegt bei.
Gutachten von Prof. Giuseppe Fiocco, 10. Juni 1963, liegt bei.

Schätzpreis: € 35.000 - 70.000
Meistbot: € 40.000

Der in seinen Dreißigern bereits früh verstorbene Johann Liss hinterließ nur ein kleines, aber dafür umso beeindruckenderes Oeuvre. Im deutschen Holstein geboren, zog es den Künstler in jungen Jahren in die Niederlande (Amsterdam, Haarlem und Antwerpen). Über Paris und Venedig reisend, ließ er sich ab 1622 in Rom nieder. Als er Ende der 1620er Jahre wieder nach Venedig zurückkehrte, schuf er dort zahlreiche Werke, verstarb aber bereits 1631 an der ausgebrochenen Pest.

Da das vorliegende Gemälde sowohl niederländisch-rubeneske als auch italienisch geschulte Einflüsse verarbeitet, wird eine Entstehungszeit um 1625 angenommen. Es zeigt die durch Ovid überlieferte Geschichte der Hochzeit des Bacchus mit Ariadne auf Naxos. Nachdem die kretische Prinzessin dem Helden Theseus bei der Bezwingung des Minotaurus geholfen hatte, lässt dieser sie auf der Mittelmeerinsel zurück. Als der aus Asien zurückkehrend Bacchus sie verzweifelt auf Naxos findet, nimmt er Ariadne zur Frau.
Im Gegensatz zu der weitaus häufigeren Verarbeitung des Themas als triumphaler Einzug des Bacchus oder als rauschendes Festmahl, steht auf dem vorliegenden Gemälde die eigentliche Vermählung im Vordergrund. Das Paar ist auf seinem von einem Baldachin überfangenen Liebeslager vereint und wird von Bacchus‘ Gefolge ausgelassen mit allen irdischen Genüssen gefeiert. Im Ausblick der bewaldeten Landschaft findet sich das klassische Motiv eines vom Wein überwältigten Silens, der auf einen geduldig wartenden Esel gehievt wird, während sich am rechten Bildrand ein bocksbeiniger Satyr einem schon zu Boden gefallenen Begleiter zuwendet. Die Bildhälften verbindend und die Hauptszene unterstreichend präsentieren Putten eine überbordende Fruchtgirlande. Sie führen den Blick zu einem unbekleideten Tamburinspieler und einer nur mit einem Tuch umspielten weiblichen Schönheit, deren Körper die meisterliche Fähigkeit des Künstlers in der Figurenmodellierung demonstrieren. Prof. Dr. Kurt Steinbart geht davon aus, dass es sich bei dem den Betrachter direkt anblickenden Kopf am linken Bildrand um ein Selbstbildnis des Künstlers handelt.
In Komposition, Landschafts- und Figurengestaltung vergleichbare, mythologische Werke von Johann Liss finden sich in der „Schindung des Marsyas“ (Puschkin-Museum, Moskau, Inv.-Nr. 2722) oder in der „Rückkehr des Adonis“ (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Inv.-Nr. Lg 751).