Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

08. November 2022, 15:00 Uhr

0005

Salomon van Ruysdael

(Haarlem um 1601 - 1670 Haarlem)

„Uferlandschaft mit zwei Bauernwagen unter hohen Bäumen“
um 1635/40
Öl auf Holz
68,5 x 92 cm (Oval)

Provenienz

F. Kleinberger, Paris um 1924;
Versteigerung, Paris, Huet, 14. Juni 1960, Lot 51;
Versteigerung, Paris, 14. März 1970, Lot 20;
Galerie St. Lucas, Wien 1974/75;
Sammlung Erna Weidinger (1923–2021)

Ausstellung

Winter 1974/75 Wien, Galerie St. Lucas, Gemälde alter Meister, Nr. 7

Literatur

Wolfgang Stechow, Salomon van Ruysdael, Berlin 1938, Kat. Nr. 109;
Wolfgang Stechow, Salomon van Ruysdael, Berlin 1975, S. 84, Kat.-Nr. 106A

Schätzpreis: € 80.000 - 150.000
Limit: € 80.000 + Aufgeld + ggf. Folgerecht

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In stimmungsvollen Herbstfarben ist das idyllische Ufer im vorliegenden Gemälde gestaltet. Zwei beladene Wägen stehen nahe einer zwischen hohen Bäumen sichtbaren Hütte, vor welcher die Pferde mit Futter versorgt werden. Über den lebensnah flimmernden Spiegelungen im ruhigen Wasser treiben mehrere Boote entlang des Ufers.
Flussszenen waren das Hauptsujet Salomon van Ruysdaels – er schuf mehr Gemälde zu diesem Thema als zu jedem anderen Landschaftsthema. Für die vorliegende Darstellung bediente er sich eines ovalen Querformats, welches den ästhetischen Eindruck des Landschaftsausblicks noch hervorhebt. Das Schwebende des Gegenständlichen reizt den Künstler in den 1630er Jahren häufiger zur Verwendung dieses Formats für seine immer neu variierten Flusslandschaften, etwa auch in seinem „Baumreichen Flussufer“ in der Gemäldegalerie Dresden (um 1633, Inv.-Nr. 1384).
Über der schräg zurückweichenden Flussansicht bilden die Bäume am Ufer eine diagonale Linie, welche Vorder- und Hintergrund verbindet und einen einheitlichen Bildraum schafft. Über dem niedrig angesetzten Horizont wird der eindrucksvollen Darstellung des Himmels und der Wolken Raum gegeben. So konnte der Künstler die Spiegelungen des Himmels und der Bäume im Wasser einfangen. In dieser komplementären Behandlung von Wasser und Himmel zeigt sich Salomon van Ruysdael unübertroffen unter seinen Landsleuten. In diesem Sinn sind wohl die miteinander agierenden, flüchtigen Naturphänomene, die Ruysdael in seiner Darstellung von Wasser, Licht und Luft wiedergab, die eigentlichen Protagonisten dieser hervorragenden Landschaft.
Gemeinsam mit Jan van Goyen (1596-1656) gehörte Salomon von Ruysdael zu jener Gruppe Haarlemer Künstler, welche ab den 1620er Jahren die niederländische Landschaftsmalerei revolutionieren sollten. Im gegenseitigen Einfluss entwickelten sie eine naturalistische Malerei, welche die Eigenheiten und ephemeren Details der Natur und atmosphärischer Effekte fokussierte.