Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

30. Juni 2022, 17:00 Uhr

2238

Elke Silvia Krystufek*

(Wien 1970)

„Johnny had June“
2006
Mischtechnik, Acryl, Collage, Foto auf Leinwand; ungerahmt
200 x 300 cm
Rückseitig auf Klebeetikett signiert und datiert: Elke Krystufek 2006

Provenienz

Van Ham Kunstauktionen, Köln, 01.12.2021, Lot 122;
seither österreichischer Privatbesitz

Ausstellung

2007, MAK Wien, Liquid Logic. The height of knowledge and the speed of thought, 6. Dezember 2006 bis 1. April 2007

Literatur

Peter Noever (Hg.), Liquid Logic. The height of knowledge and the speed of thought, Ausstellungskatalog, MAK Wien 2007, Abb. S. 38, 39.

Schätzpreis: € 25.000 - 50.000
Limit: € 30.000

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In your face! Elke Krystufek ist bekannt für ihre schrillen Inszenierungen, schockierenden Performances und exzentrischen Auftritte. Bereits in ihren künstlerischen Anfängen inszeniert Krystufek ihr Leben selbst: Öffentliche Performances, in denen sie ihren Körper als Medium einsetzt, erzeugen großes mediales Aufsehen und führen zur Kontroverse, noch heute verbinden viele Menschen mit Krystufek eher ihre Auftritte als ihre Bilder. Seit dem Teenageralter dokumentiert und inszeniert Krystufek ihr Leben in Malerei, Film und Fotografie und lässt den Betrachter im Ungewissen, was davon tatsächlich privat, was Theater ist. Scheinbar persönliche, intime Einblicke wechseln sich ab mit Performances ihres Alter Egos als Kunstfigur – häufig als Star, verkleidet in selbst entworfenen Kostümen und schrillen Perücken. Dabei nehmen die Auftritte der Künstlerin über die Jahre kontinuierlich ab.

Krystufek arbeitet nun vermehrt mit Textilien und Installationen und neben den noch immer vorhandenen Selbstporträts finden sich auch viele kunsthistorische Verweise oder Porträts prominenter Persönlichkeiten wie Künstlerkollegen oder Mitglieder des Burgtheater Ensembles. Charakteristisch für ihre Bilder und Collagen sind die zahlreichen verstreuten Notizen und Textpassagen, meist auf englisch, in denen es um Themen wie Homosexualität, Rassismus oder Verschleierung, Kritik an der Regierung, Gerechtigkeit geht und immer wieder um Genderfragen und Voyeurismus. Das Politische nimmt in Elke Krystufeks künstlerischer Arbeit von Beginn an einen zentralen Stellenwert ein. Gesellschaftlich tabuisierte, unterdrückte oder medial unzulänglich aufgearbeitete Themen sind ihre Schwerpunkte – wobei sie sich nicht scheut, Werke zu produzieren, die aufgrund der „schwierigen Inhalte“ polarisieren und häufig schlecht verkäuflich oder als „nicht zeigbar“ gelten.

Krystufeks Kunst umfasst Malerei, Installation und Fotografie, darüber hinaus schreibt sie literarische Texte, Bücher und Theaterstücke, inspiriert u.a. von dem Künstler Josef Albers, dem Schriftsteller H. G. Wells und der Designerin Cathy Pill. Die Irritation und das Brechen von Tabus sind stetig präsent in ihrer künstlerischen Auseinandersetzung und erzeugen Scham, Wut und Agression ebenso wie Bewunderung und Solidarität.

(Ina Waldstein)