Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

30. Juni 2022, 17:00 Uhr

2242

Franz West*

(Wien 1947 - 2012 Wien)

„o.T. (John Bock)“
2003
Mischtechnik, Collage auf Papier auf Leichtschaumplatte in Plexiglasrahmung
93 x 68 cm

Provenienz

Galerie Meyer Kainer, Wien;
Privatbesitz, Wien

Ausstellung

2013, Mumok, Wien/MMK, Frankfurt am Main, Franz West. Wo ist mein Achter?, 23. Februar bis 26. Mai 2013; 29. Juni bis 13. Oktober 2013

Literatur

Karola Kraus (Hg.), Franz West. Wo ist mein Achter?, Wien/Frankfurt 2013, Abb. Cover.

Original Ausstellungsplakat (mumok) liegt bei.
Buch über John Bock liegt bei.

Schätzpreis: € 40.000 - 80.000
Limit: € 60.000

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Eine Frau präsentiert ihre Jeans in Übergröße, nachdem sie mithilfe einer Diät erfolgreich abgenommen hat. Ihr Gegenüber – der stark geschminkte und kostümierte deutsche Aktionskünstler John Bock – öffnet seine Jacke, um uns ein organisches, Alu-foliertes Objekt zu zeigen, welches Franz Wests Formenvokabular entsprungen sein mag. In der ungleichen Paarung, wie sie uns West in der Collage „Ohne Titel (John Bock)“ vorführt, prallen Alltag und Kunst aufeinander – ein wesentliches Charakteristikum im Werk Franz Wests. Der Bildraum, in dem die Protagonisten aufeinandertreffen, ist gemalt, allerdings nicht näher definiert, wodurch die Personen isoliert erscheinen. West entreißt gefundene Motive gerne ihrem ursprünglichen Umfeld und schafft neue Settings für deren ungewöhnliche Begegnungen. Auf diese Weise generiert er neuartige und überraschende Bedeutungszusammenhänge, die auf den ersten Blick sinnlos, grotesk und lächerlich anmuten, welchen allerdings oftmals philosophisches Gedankengut, Medien- und Gesellschaftskritik zugrunde liegen.

Im Jahr 2004 bezieht sich der Künstler in einer Gouache mit dem Titel „Lost Eight“ erneut auf das Motiv der Frau in Jeans, das er einer Zeitschrift entnommen hatte. Aus der Bezeichnung „lost weight“ wird „lost eight“, indem West das w weglässt. 2012 greift er auf diesen Werktitel zurück, transformiert ihn zu „Where is my eight?“ und betitelt damit seine Ausstellung im Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, deren Eröffnung im Jahr 2013 West nicht mehr erlebt. In der titelgebenden Fragestellung „Wo ist mein Achter?“ zeigt sich die Methodik der Rekombination, die der Künstler in seinen Objekten und Möbelstücken, in Videos und in Collagen gleichermaßen anwendet, um einen weiten Assoziationsrahmen zu spannen und zahlreiche Kontextualisierungen zu ermöglichen. (Vgl. Karola Kraus/Susanne Gaensheimer, in: Franz West. Wo ist mein Achter? Ausstellungskatalog, Wien 2013, S. 8)

(Isabell Kneidinger)