Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

30. Juni 2022, 15:00 Uhr

2015

Alfred Kubin*

(Leitmeritz 1877 - 1959 Zwickledt)

„Donauweibchen“
späte 1920er Jahre
Tuschfeder, laviert, Aquarell, Spritztechnik auf Papier
35 x 31,5 cm
Signiert rechts unten: AKubin
Betitelt links unten: Donauweibchen

Provenienz

Galerie Würthle, Wien;
wohl dort in den 1960er Jahren erworben, seither in Familienbesitz, Privatbesitz Wien

Literatur

Vergleiche: Alfred Kubin. Das Lithographische Werk, Kat. Ausst, Lenbachhaus München, Landesgalerie OÖ. Linz, Hirmer Verlag München 1999, S. 180

Die Authentizität des Werkes wurde von Dr. Annegret Hoberg, ehemals Kubin Archiv, München, sowie von Dr. Antonia Hoerschelmann, Albertina, Wien, bestätigt (Vergleiche: Sotheby's London, Katalog 26.06.2008, S. 115, Nr. 165).

Schätzpreis: € 15.000 - 30.000
Limit: € 15.000

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Kubins Bildszenen wirken häufig wie mitten aus einer komplexen Erzählung herausgegriffen; in der Art von „film-stills“ verweisen sie auf ein vorher und nachher der gezeigten Szenerie. Besonders interessiert den Künstler hierbei eine spezielle Offenheit, eine grundsätzliche Atmosphäre des Uneindeutigen und der geheimnisvollen Ambivalenz. Ob hier im Bildgeschehen das Donauweibchen oder der Mann im Wasser Opfer oder Täter dieses Aufeinandertreffens ist, bleibt unklar, offen auch, wie die Geschichte weiter gehen kann. Das nackte weibliche Fischwesen ist in Transformation gezeigt, auch die beiden Fischschwänze scheinen bald die Formen von Menschenbeinen anzunehmen. Das Musikinstrument ist schon fast auf die Seite gelegt, der lockende Gesang dem Ausdruck überraschender Entdeckung gewichen: Der Ausgang dieses Begegnungsmomentes bleibt spannend.

Kubin hat im Jahr 1929 eine Lithografievariante dieses Themas aufgelegt, allerdings zeigt diese Druckgraphik keinen Männerkopf im Wasser sowie einen eher sehnsuchtsvollen Gesichtsausdruck des weiblichen Mischwesens – viele Geschichten sind möglich.
(Peter Assmann)