Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

30. Juni 2022, 15:00 Uhr

2012

Alfred Kubin*

(Leitmeritz 1877 - 1959 Zwickledt)

„Der Robbenschläger“
um 1923
Tuschfeder und Aquarell auf Katasterpapier
31 x 25 cm (Passep.-Ausschnitt), 35,3 x 27,9 cm (Blattmaß)
Signiert rechts unten: A. Kubin
Betitelt links unten: Der Robbenschläger (von Passepartout verdeckt)
Mit Widmung rechts unten: meinem alten Freund Paul Hinterhuber (von Passepartout verdeckt)

Provenienz

Christie's London, 05.02.2014, Nr. 282;
österreichischer Privatbesitz

Schätzpreis: € 10.000 - 20.000
Limit: € 10.000

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In den arktischen Regionen über Jahrhunderte eine Lebensgrundlage des Menschen, durch den Transfer dieser Robbenjagd vor ein mitteleuropäisch anmutendes Bauerngehöft entwickelt die Szene jedoch eine völlig andere Aussage. Der in den Vordergrund gestellte, offensichtliche Schrecken der Tierkreatur zusammen mit dem brutal wirkenden, expressiv gesetzten Gesichtsausdruck des Robbenjägers unterstreichen in dieser für das Geschehen völlig absurd anmutenden Umgebung eine gesteigert unheilvolle Kraft. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund sich gefährlich aufbauender Wolkenformationen erreicht das Tötungsgeschehen elementare, grundsätzliche Wirkung.

Für den „Fast-Vegetarier“ Alfred Kubin sind Tiere Lebensbegleiter, denen er in Kunst und Alltagsleben stets besondere Aufmerksamkeit widmet. Spinnen werden in seinem Haus ebenso gepflegt wie ein zugelaufenes Rehkitz im Garten – über dessen besondere Bedürfnisse er sich auch brieflich mit seinem Künstlerfreund Franz Marc austauscht. In berühmten Bilderzählungsserien wie „Ali, der Schimmelhengst“ oder „Der Tümpel von Zwickledt“ (dem Wohnort des Künstlers an der deutsch-österreichischen Grenze) werden Tiere zu Hauptprotagonisten bis hin zu alter-ego-Figuren mit vielen menschlichen Eigenschaften.
(Peter Assmann)