Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

30. Juni 2022, 15:00 Uhr

2046

Herbert Boeckl*

(Klagenfurt 1894 - 1966 Wien)

„Alexandria“
1961
Öl auf Leinwand
90,5 x 110 cm
Signiert und datiert links oben: Boeckl 61
Rückseitig am Keilrahmen Etikett Österreichische Galerie und Etikett mit handschriftlicher Bezeichnung sowie Etikett der 32. Biennale 1964

Provenienz

Herbert-Boeckl-Nachlass, Wien, B 47;
Maria Boeckl, Wien;
Privatbesitz, Wien;
Privatsammlung, Tirol

Ausstellung

1964 Venedig, 32. Biennale;
1964 Wien, Museum des 20. Jahrhunderts;
1989 Seckau, Seckauer Apokalypse;
1992 Schwaz, Rabalderhaus;
1994 Wien, Bank Austria Kunstforum

Literatur

Herbert Boeckl. XXXII. Biennale di Venezia 1964. Austria, 32. Biennale, Venedig 1964, Kat.-Nr. 21;
Herbert Boeckl. Museum des 20. Jahrhunderts, Ausstellungskatalog Museum des 20. Jahrhunderts, Wien, 18. Dezember 1964 - 14. Februar 1965, Kat.-Nr. 103;
Claus Pack, Der Maler Herbert Boeckl, Wien/München 1964, Kat.-Nr. 225;
Gerbert Frodl, Herbert Boeckl. Mit einem Werkverzeichnis der Gemälde von Leonore Boeckl, Salzburg 1976, s/w-Abb. S. 218, Kat.-Nr. 355;
Seckauer Apokalypse, Herbert Boeckls Weg zum großen Freskenzyklus, Ausstellungskatalog, Alte Volksschule Seckau, 30. Juli - 29. Oktober 1989, S. 10;
Herbert Boeckl im Rabalderhaus Schwaz 1992. Galerie Maier Innsbruck, Ausstellungskatalog Rabalderhaus Schwaz, 21. Juli - 5. September 1992, Abb. 22;
Ingried Brugger/Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Herbert Boeckl, Ausstellungskatalog Bank Austria Kunstforum, Wien, 7. September - 27. November 1994, Kat.-Nr. 66, Abb. Taf. S. 124;
Agnes Husslein-Arco (Hg.), Herbert Boeckl. Retrospektive, Katalog mit Werkverzeichnis der Ölbilder, Skulpturen, Fresken und Gobelins, Belvedere Wien, 21. Oktober 2009 - 31. Jänner 2010, WV-Nr. 405, Abb. S. 395

Schätzpreis: € 50.000 - 100.000
Limit: € 80.000

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„Ich vergleiche die Kunst mit dem Meer, das alle Kontinente bespült und verbindet; manches Mal wohl durch den Sturm aufgepeitscht, bringt es neue Schätze an den Tag. Der Bürger erschrickt und vermeint es ist die Sintflut. Es ist aber nur das Atmen.“ (Herbert Boeckl in: Agnes Husslein-Arco (Hg.), Herbert Boeckl, Ausstellungskatalog, Belvedere, Wien 2009/2010, S. 261).

Das Spätwerk von Herbert Boeckl setzt 1945 im vom Krieg zerstörten Wien ein. Ein Neuanfang auf allen Ebenen war unabdingbar. Es ist dem Künstler zu verdanken, dass der Studienbetrieb in den versehrten Teilen der Akademie der bildenden Künste gleich wieder aufgenommen wird. Er wird zum Rektor bestellt und holt Fritz Wotruba und Albert Paris Gütersloh als Professoren an das Haus. Dieses Dreigestirn wird die österreichische Kunstlandschaft der Nachkriegszeit prägen. Doch zunächst gilt es eine Orientierungslosigkeit und Leere zu bekämpfen, mit der sich die österreichische Kunst 1945 konfrontiert sieht. Wo hat man den Faden verloren, wo soll man anknüpfen, welche internationalen Strömungen eignen sich als Vorbilder und lassen dennoch eine typisch österreichische Kunst aufkeimen? Und was ist überhaupt eine typisch österreichische Kunst? Die bedeutenden Jahre des Jugendstils und des Expressionismus sind vorüber, die großen -ismen – Kubismus, Surrealismus, Tachismus, um nur einige zu nennen – und die Abstraktion müssen in Österreich erst mühevoll rezipiert werden, bevor Eigenständiges entstehen kann. Auch Herbert Boeckl ist sich wohl bewusst, dass er nicht ohne Weiteres an den expressiven Stil der Vorkriegszeit anknüpfen kann, dass es einen Wandel braucht, um sich neu zu positionieren. Dabei beschreitet er zusehends den Weg der Analyse, setzt sich intensiv mit dem Körper „im Banne der Abstraktion“ (Ausstellungskatalog, Belvedere, Wien 2009/2010, S. 262) auseinander.

Der Titel des Bildes „Alexandria“ verweist auf die Ägyptenreise, die der Künstler im März/April 1959 gemeinsam mit Marcile Boog unternommen hat und die die beiden nach Kairo, Luxor, Karnak, ins Tal der Könige und auch nach Alexandria führt. Eindrücke von dieser Reise und den vorangegangenen nach Spanien und Griechenland fließen nun in seine Arbeiten ein, wie zum Beispiel auch in die richtungsweisenden Fresken der Engelkapelle in Seckau. In „Alexandria“ ist eine Frau links im Bild noch in körperlicher Gestalt zu sehen und trifft rechts auf eine collageartig in Einzelteile zersplitterten Figur. Als Vorbilder dienen hier Pablo Picasso ebenso wie Jacques Villon, Goerges Braques oder Juan Gris. Der Hintergrund, in dem sich einzelne Farbfelder wie Puzzlesteine ineinanderfügen, erinnert an Werke Serge Poliakoffs. All diese Einflüsse verwebt Herbert Boeckl auf eine eigenständige Art und schafft so mit Bildern wie diesem ein Spätwerk von beeindruckender Dichte und Originalität, das ihn als großen Meister der österreichischen und internationalen Malerei ausweist.
(Sophie Cieslar)