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Auktion: Antiquitäten

29. Juni 2022, 14:00 Uhr

1036

wohl Niklaus Weckmann

(tätig in Ulm 1481 - 1526)

„Mondsichelmadonna mit Kind“
Ulm, um 1500
Lindenholz, rückseitig gehöhlt; alte Fassung und Vergoldung
H. 132 cm

Schätzpreis: € 30.000 - 60.000
Limit: € 40.000

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Die Mondsichelmadonna lässt sich dem süddeutschen Meister Niklaus Weckmann, der in der Zeit von 1481 bis 1526 zu Ulm gearbeitet hat, zuschreiben. Ulm zählte im Spätmittelalter zu den führenden Kunstmetropolen, was auch mit dem Bau des Ulmer Münsters zusammenhängt, der vielen Künstlern Arbeit verschaffte. Zu seinem Hauptwerk zählt ein Flügelaltar in St. Martin in Biberach, der 1531 von den Bilderstürmern zerstört wurde.
Die Mondsichelmadonna verkörpert den eleganten, spätgotischen Typ der lieblich-keuschen jungen Mutter, die das lebhaft auf ihrem Arm hampelnde, nackte Jesuskind festhält und zugleich den Gläubigen darbietet. Zu den Füßen der Madonna erscheint ein aufwärts gebogener Halbmond mit Gesicht im Relief. Haltung und Ausdruck faszinieren hier mit ihrer Mischung aus sensibler Lebensnähe und repräsentativer Distanz.
Der Faltenwurf des Mantels mit eingedellten Schüsselfalten und Faltenüberschlägen, sowie die Form des Schleiers, der über dem reich quellenden Madonnenhaar liegt, lassen eine Entstehung um 1500 vermuten. Die etwas breit dimensionierte Figur war wohl in der Mitte eines gotischen Schreins situiert und ist auf Grund seiner vorzüglich erhaltenen Fassung von starker Expression.
Ein Vergleich zur Madonna des Altarwerks von Blaubeuren des Meisters Gregor Erhart (1493) ist durchaus angebracht, zumal Niklaus Weckmann zu Erhart in künstlerischer Beziehung stand.
(Vgl. Meisterwerke Massenhaft, Die Bildhauerwerkstatt des Niklaus Weckmann und die Malerei in Ulm um 1500, Württembergisches Landesmuseum Stuttgart, 1993)