Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

28. Juni 2022, 17:00 Uhr

0378

Hans Makart

(Salzburg 1840 - 1884 Wien)

„Fries mit allegorischen Szenen (Allegorie der Künste, Prometheus)“
um 1880
Öl auf Leinwand
37 x 97 cm; 35 x 35 cm

Provenienz

aus dem Nachlass des Künstlers;
dessen Nachlass-Auktion, Galerie H.O. Miethke, Wien, 26.03.1885, Nr. 30, SW-Abb. S. 1;
Carl von Reininghaus, Wien ("Prometheus");
Auktion Glückselig & Wärndorfer, Wien, 29.05.1933, Nr. 115 ("Prometheus");
Privatbesitz, Steiermark

Literatur

Ludwig Hevesi, Wiener Totentanz. Gelegentliches über verstorbene Künstler und ihresgleichen, Stuttgart 1899, S. 190;
Gerbert Frodl, Hans Makart. Monographie und Werkverzeichnis, Salzburg 1974, S. 395-396, WV-Nr. 360/1-2 (SW-Abb.);
Frodl Gerbert, Hans Makart. Werkverzeichnis der Gemälde, Belvedere Wien 2013, S. 262-263, WV-Nr. 439/1-2 (SW-Abb.)

Schätzpreis: € 20.000 - 40.000
Limit: € 20.000

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Hans Makart war eine außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeit, die einer ganzen Epoche seinen Namen gab. Mehr als eine Dekade lang – bis zu seinem frühen Tod 1884 – gab es keinen Künstler, dessen Ruhm mit seinem vergleichbar gewesen wäre. Die Sinnlichkeit seiner Farben, seine Selbstdarstellung als Malerfürst, sein Einfluss auf Wohnstil und Mode blieben beispiellos. Makarts berühmtes Atelier, in dem prunkvolle Kostümfeste gefeiert wurden, war eine Touristenattraktion Wiens. Besucher aus aller Welt gingen hier ein und aus, sogar die Kaiserin.

Geboren wurde der Künstler 1840 in Salzburg, er stammte aus einfachen Verhältnissen. Seine erste Ausbildung erhielt er in der Maler-Vorbereitungsklasse an der Wiener Akademie. Vom Studium in Wien enttäuscht, ging Makart wieder zurück nach Salzburg, wo er bei einem Graveur eine Lehre begann, bis ihm der Erzbischof von Salzburg die Möglichkeit eröffnete, in München an der Akademie bei Karl von Piloty zu studieren.
Bald zeigte sich seine außergewöhnliche Begabung und Virtuosität; sein Lehrer, davon überaus beeindruckt, lieh ihm Geld für Studienreisen nach London, Paris und Rom. Im Alter von nur 28 Jahren gelang Hans Makart der künstlerische Durchbruch: Von seiner „Pest in Florenz“ zeigte sich das Münchner Publikum begeistert. Zahlreiche Aufträge, und damit die finanzielle Unabhängigkeit, waren die Folge.

1869 wurde Hans Makart vom Kaiser nach Wien berufen und erhielt in der Gusshausstrasse ein Atelier. Bei dessen Ausstattung setzte er die Maßstäbe für jenen Lebensstil, den das wohlhabende Bürgertum in der Folge übernahm. 1879 wurde Hans Makart zum Professor an der Akademie ernannt. Anlässlich der Silberhochzeit des Kaiserpaares erhielt der Künstler von der Stadt Wien den Auftrag zur Gestaltung des Huldigungsfestzuges: Er beschloss, den Einzug Karls V. als „lebendiges Bild“ aufzuführen. Das pompöse Ereignis fand auf der Ringstraße statt. Zehntausende Menschen wohnten den Huldigungen der Handwerker, Berufsgruppen und Industrien der Monarchie, alle im Kostüm der Dürerzeit, bei.

Bei den vorliegenden Arbeiten handelt es sich um zwei Teile eines nicht ausgeführten Entwurfs für einen Fries über dem Hauptportal des Wiener Parlaments. Theophil Hansen (1813-1891), der Architekt des Gebäudes, lieferte laut Hevesi die Anregung dazu. Der Bau wurde 1884 - im Sterbejahr Makarts - vollendet und Eduard Lebiedzki (1862-1915) erhielt schließlich den Auftrag für den Fries im Peristyl, dessen Fertigstellung 1911 erfolgte.