Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

28. Juni 2022, 17:00 Uhr

0277

Anton Romako

(Atzgersdorf bei Wien 1832 - 1889 Wien)

„Badendes Mädchen, von einem Ritter belauscht“
1886-1889
Öl auf Leinwand
86 x 48 cm
Signiert links unten: A. Romako
Rückseitig Etikett Galerie Miethke, Wien;
rückseitig Etikett Kunsthandlung L.T. Neumann, Wien;
rückseitig Stempel (unleserlich)

Provenienz

Galerie Miethke, Wien, 1905, S. 6, Nr. 2 "Melusine";
Hugo Gerngroß (1857-1929), Wien, 1911;
Dorotheum Wien, 30.01.1932, Nr. 481;
Isabella Renaud, Feistritz;
Kunsthandlung Herbert Barth-Wehrenalp, Wien;
Dorotheum Wien, 24.05.1954, Nr. 97 "Die schöne Melusine", Taf. 32 (SW-Abb.);
Familie Satzger, Wien;
Galerie Gebhardt, München;
Galerie L.T. Neumann, Wien;
dort erworben am 24.11.1961, Sammlung KR Franz Taufar, Wien (Rechnung liegt bei);
dessen Erben (Privatbesitz, Österreich)

Literatur

Galerie Miethke, Katalog der Ausstellung Anton Romako, Wien, 1905, S. 6, Nr. 2 "Melusine" (als verkäuflich);
Oskar Reichel, Anton Romako, in: Bildende Künstler, Monatsschrift für Künstler und Kunstfreunde, 1911, Heft 2 (Romako-Sonderheft), S. 85 (SW-Abb.), "Melusine", Besitzer: Hugo Gerngross, Wien;
Fritz Novotny, Der Maler Anton Romako. 1832-1889, Wien/München 1954, S. 66, S. 99, WV-Nr. 347;
Cornelia Reiter, Anton Romako. Pionier und Außenseiter der Malerei des 19. Jahrhunderts. Monographie mit Werkverzeichnis, Wien 2010, S. 277-278, WV-Nr. 556 (SW-Abb.)

Schätzpreis: € 35.000 - 70.000
Limit: € 50.000

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Romako war einer jener österreichischen Künstler des ausgehenden 19. Jahrhunderts, der durch seine Kunst das Publikum stark polarisierte. Seine Ausbildung erhielt er an der Wiener und Münchner Akademie. 1850 kehrte er zurück in seine Heimatstadt Wien und studierte bis 1853 an der Privatschule von Carl Rahl, wo er sich auf Historienmalerei spezialisierte. Im Streit trennte er sich von seinem Lehrer und verbrachte längere Zeit im Atelier von Carl Werner in Venedig. 1857 schließlich reiste er nach Rom, dort verbrachte er fast zwei Jahrzehnte. Diese Zeit war wohl die erfolgreichste und schönste in seinem Leben, sowohl privat als auch künstlerisch. Er gründete eine Familie und konnte sich als Künstler etablieren. Vor allem seine Genreszenen über das bäuerliche Milieu der römischen Campagna begeisterten sein internationales Publikum. Mit diesen Bildern feierte er Erfolge und sie brachten ihm finanzielle Sicherheit. 1876 erlebte der Künstler eine schmerzhafte Zäsur in seinem Leben. Seine Frau verließ ihn und er kehrte mit drei seiner insgesamt fünf Kinder zurück nach Wien. In dieser Phase änderten sich seine Bildthemen und er widmete sich Gesellschaftsbildern, die durch ihre psychologische Tiefe und technische Perfektion bestechen. Trotzdem fand er in Wien nicht jene Anerkennung wie in Rom und sein exzentrischer Malstil wurde nicht verstanden. Einen Misserfolg nach dem anderen musste der sensible Künstler in Wien verarbeiten. Finanziell ruiniert mit der Sorge um seine Familie wurde er zum ruhelos Reisenden, der sein Glück in Ungarn, Genf und Paris aber auch immer wieder in Rom, wo seine beiden jüngsten Töchter lebten, suchte. Als diese 1887 den Freitod wählten, war dies wohl einer der größten Schicksalsschläge für Romako, den er selbst nur zwei Jahre überleben sollte. 1889 starb der Künstler in Wien, einsam und von der Kunstwelt unverstanden.

In Romakos Oeuvre gibt es nur wenige Aktdarstellungen, diese sind vor allem in seinen letzten Lebensjahren entstanden. Zwei Blätter aus einem Skizzenbuch des Künstlers (Albertina Wien Inv.-Nr. 26.560/36v, 26560/55v), zeigen Frauengestalten, die möglicherweise für unser Gemälde als Vorstudien dienten. Fritz Novotny (1954) stellte die Vermutung an, dass vorliegendem Werk, die Melusine-Legende zugrunde liegen könnte. Bereits im Ausstellungskatalog der Galerie Miethke (1905) trägt das Bild den Titel "Melusine". Diese Sagengestalt wird als wunderschöne Frau beschrieben, die einen Ritter heiratet. Diesem nimmt sie das Versprechen ab, dass er sie zu bestimmten Zeiten nicht sehen darf, nämlich dann, wenn sie ihre wahre Gestalt - jene einer Wassernixe - annimmt. Der Ritter jedoch bricht sein Versprechen und beobachtet Melusine heimlich, daraufhin zerbricht sein Liebesglück. Es scheint beinahe so, als ob der Künstler sein eigenes leidvolles Schicksal vom zerronnenen Glück hier miteinfließen ließ. (MS)