Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

28. Juni 2022, 15:00 Uhr

0017

Frans Francken der Jüngere Werkstatt

(Antwerpen 1581 - 1642 Antwerpen)

„Höfische Tanzgesellschaft“
Öl auf Holz; parkettiert
58,5 x 92 cm
Rückseitig auf Tafel Inventarnummer der gräflich Attems'schen Gemäldesammlung: F.C. 107.

Provenienz

seit mindestens 1733 Palais Attems, Sackstraße, Graz (siehe Verlassenschaftsinventar nach Ignaz Maria Graf von Attems, 1652-1732);
in den 1960er Jahren direkt von der Familie Attems erworben;
seither Privatbesitz, Österreich

Literatur

Inventare der Sammlung Attems veröffentlicht in: Georg Lechner, Der Barockmaler Franz Carl Remp (1675–1718), phil. Diss., Wien 2010:
(Q 25) 1733: Auszüge aus dem Verlassenschaftsinventar nach Ignaz Maria Grafen von Attems (b) Verzeichnis der Gemälde im Palais der Sackstraße …), S. 233, Nr. 107 (als „Eine Holländische Gesellschafft“)
(Q 27) 2. Viertel 19. Jahrhundert: Galerieverzeichnis der gräflich Attems’schen Sammlung (Auszüge aus der von P. Laurenz Doberschiz verfassten Beschreibung des mathematischen Turmes in Kremsmünster und der dort befindlichen Sammlungen), S. 246, Nr. 107 (als „Eine holländische Gesellschaft“)
(Q 28) 1879: Verzeichnis der Gemälde des Ignaz Maria Graf Attems’schen Primo Genitur Fidei-Commisses (Aufgenommen im Auftrag des k.k. Landes-Gerichtes dto Graz, 1. April 1879), S. 255, Nr. 107 (als „Eine Tanzunterhaltung im 17. Jh., Leinwand (falsch), 59 x 92, 50 (Gulden)“)

Wir danken Dr. Ursula Härting für ihre wissenschaftliche Unterstützung bei der Katalogisierung des Gemäldes.

Schätzpreis: € 15.000 - 30.000
Limit: € 15.000

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Die vielfigurige Komposition zeigt eine vornehme Tanzgesellschaft in einem Ballsaal. Diese Art der Inszenierung einer höfischen Tanzveranstaltung in einem geschlossenen Interieur wurde um 1600 im Antwerpener Atelier der Francken-Familie entwickelt, wohl angeregt von Hieronymus Franken dem Älteren (ca. 1540-1610), der im späten 16. Jahrhundert am französischen Hof tätig war und durch die vielen dort abgehaltenen Bälle inspiriert wurde.
Ein vornehm gekleidetes Paar tanzt zu Ehren der im Hintergrund platzierten Braut, in Weiß, auf. Besonderes Augenmerk liegt in der vorliegenden Szene auf den außerordentlich fein gestalteten Kleidern und Kostümen der Figuren. Herausragend ausgeführt sind die im Licht changierenden, weich fallenden Stoffe, auch die filigrane Brokatverzierung am Saum des Kleides der Tänzerin oder die zarte, durchscheinende Spitze am Tuch in ihren Händen.
Zur gleichen Zeit dringt durch die Türe rechts hinten eine Gruppe von aufwendig kostümierten und maskierten Gauklern in den Saal ein, um die anwesende Gesellschaft zu erschrecken und damit zum Amusement beizutragen - dies war Teil der traditionellen höfischen Unterhaltung, des „goest et playsir“, wie sie am Spanischen Hof in Erzherzogin Isabellas Jugend gepflegt wurde. Gegenüber des Tanzpaares sitzt ein Paar im Vordergrund, das als Philipp Wilhelm von Oranien und Eleonore von Bourbon zu identifizieren ist (zur Ikonographie und den Dargestellten siehe: Ursula Härting, Frans Francken II. - un peintre étonnamment inventif, in: Ausst.-Kat. La Dynastie Francken, Cassel 2020/21, S. 45-46).
Die vorliegende Komposition entspricht, mit geringen Abweichungen, der von Frans Francken dem Jüngeren signierten Fassung, die sich heute in einer Privatsammlung befindet. (Vgl.: Ursula Härting, Frans Francken der Jüngere 1581–1642. Die Gemälde mit kritischem Œuvrekatalog, Freren 1989, S. 366, Nr. 434, S. 34, Abb. 36)