Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

06. April 2022, 15:00 Uhr

0363

Helmut Leherb*

(Wien 1933 - 1997 Wien)

„Doppio Ritratto“
1985
Mischtechnik auf Papier; gerahmt
180 x 120 cm; 96 x 156 cm (Passep.-Ausschn.)
Bezeichnet, signiert und datiert im Bild mittig: Doppio Ritratto di Leherb, Faenza 85

Provenienz

direkt aus der Familie des Künstlers;
seither Privatbesitz, Wien

Schätzpreis: € 20.000 - 40.000
Limit: € 20.000

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Helmut Leherb, der zur Wiener Schule des Phantastischen Realismus gezählt wird, betont schon früh seine Außenseiterposition und sieht sich keiner Gruppierung zugehörig. Gemeinsam mit seiner Frau, der Künstlerin Lotte Profohs, inszeniert man sich öffentlich als exzentrisches Künstler- und Liebespaar. So ist es kein Zufall, dass der Künstler selbst sowie seine Frau auch immer wieder als Protagonisten in seinen Bildern auftauchen. „Der schwarze Prinz des Surrealismus“, wie ihn André Breton einmal nannte, liebe es, seine Aufritte zu inszenieren. So erschien er 1960 im Hamletkostüm mit einer ausgestopften Taube in der Albertina.

Die Taube spielt generell in vielen seiner allegorisch aufgeladenen Bilder als Attribut eine tragende Rolle. So auch hier in dieser wundervollen Zeichnung, die ein eng umschlungenes Paar zeigt, das den Blick dem Betrachter zugewandt hat: der Mann in Frontalansicht, die Frau in eleganter Drehung über ihre linke Schulter blickend. Das Liebespaar trägt die Gesichtszüge des Meisters und seiner Muse, wenngleich der charakteristische Bart mit den nach unten gedrehten Spitzen fehlt. Zärtlich hält der Mann in seiner Rechten eine weiße Taube, die sich flatternd gegen die Schulter der Frau presst. Die Taube verkörpert Liebe, Glück, Treue und Frieden und ist ein Symbol der Hoffnung, des Neuanfangs und der Auferstehung. Diese Symbolik ist nicht nur in unserem Kulturkreis verwurzelt, sondern ist universell verständlich.

(Sophie Cieslar)