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Auktion: Klassische Moderne

16. Dezember 2021, 16:00 Uhr

Objektübersicht
Objekt

2012

Alfons Walde*

(Oberndorf 1891 - 1958 Kitzbühel)

„Bauernmutter“
um 1930
Öltempera auf Karton
29,7 x 15,4 cm

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Literatur

Vergleiche: Gert Ammann, Alfons Walde 1891-1958, Wien 2005, Abb. S. 295 (Bauernmutter, um 1928/30) sowie Leopold Museum-Privatstiftung (Hg.), Alfons Walde, Ausstellungskatalog, Leopold Museum, Wien 2006, Abb. S. 106 (Bauernmutter, um 1930, Leopold Museum, Inv.-Nr. 334)

Gutachten von Peter Konzert, Innsbruck, 28.10.2020, liegt bei.
Das Bild ist im Werksarchiv von Alfons Walde mit der Nummer D-FI-322 registriert.

€ 170.000

Die 1920er Jahre waren für Alfons Walde von großem Erfolg gekrönt. Seine Motive haben letztlich auch durch die Gründung des Kunstverlags Alfons Walde im Jahr 1923, in dem Postkarten und Poster für eine internationale Klientel publiziert werden, einen Siegeszug um die Welt angetreten. Diese auch internationale Aufmerksamkeit führt in den Folgejahren zu einer vermehrten Ausstellungstätigkeit im Ausland. In einer großen Personale werden seine Bilder 1934 in Den Haag gezeigt und 1935 nimmt er gemeinsam mit Sergius Pauser, Ludwig Heinrich Jungnickel, Ferdinand Kitt, Franz Wiegele, Ernst Huber und Oskar Laske an der großen internationalen Kunstschau im Carnegie Institute in Pittsburgh teil, die dann auch in Cleveland und Toledo/Ohio gezeigt wird.

Privat ist die Zeit um 1930 ebenfalls turbulent. 1929 lässt sich Alfons Walde nach nur vier Jahren Ehe von Hilda Lackner scheiden und heiratet 1930 Lilly Walter aus Hall in Tirol. Im gleichen Jahr kommt die gemeinsame Tochter, Guta Eva, zur Welt. So ist verständlich, dass sich der Künstler um diese Zeit verstärkt mit dem Thema der Mutterschaft auseinandersetzt und sich dieses Interesse auch in seinen Bildern niederschlägt. Weitere Themen, die nun verstärkt in den Fokus rücken, sind neben Bauern und Kirchgehern, Skifahrer und Tourengeher, die das Bild des aufstrebenden Wintersportortes Kitzbühel immer mehr prägen. Der Künstler setzt diese neu gefundenen Menschentypen in beeindruckende Naturlandschaften, vielfach wundervolle Winterszenerien. Die Landschaft wird „durch die Eingliederung des Menschen zum Erlebnisort… in ihrer naturhaften Vielfalt zum Erholungsraum“ (Gert Ammann, Alfons Walde 1891-1958. Innsbruck-Wien 2012, S. 107). Es geht aber auch um die „Naturbindung“ der bäuerlichen Bevölkerung, die Alfons Walde in unglaublich einfühlsamen Kompositionen wie „Bauernmutter“ einzufangen versteht.

Die Frau mit dem Kleinkind am Arm steht in äußerst exponierter Lage auf einem Abhang, hinter dem es steil zu Bauernhaus und Wirtschaftsgebäuden hinabgeht, die vom Bildrand beschnitten zu sehen sind. Dahinter erhebt sich steil ein dicht verschneiter Hang mit einzelnen Nadelbäumen und kahlen Felspartien, auf denen aufgrund ihres Gefälles kein Schnee Halt findet. Dieses Kompositionsprinzip mit einem hoch aufragenden Gegenhang und tiefen Einblicken in Landschaftsmulden ist typisch für diese Zeit. Alfons Walde gibt die szenische Abfolge von Vorder-, Mittel- und Hintergrund zugunsten dieses weitaus dramatischeren Kompositionsprinzips auf. So bildet er perfekt den engen Lebensraum dieser Menschen, die schwierigen Verhältnisse, mit denen Bergbauern konfrontiert sind, aber auch ihre Verbundenheit mit der Natur ab. Es geht ihm darum „authentische Stimmungswerte zu vermitteln und dem Landschaftsbild eine weitere spiegelnde Facette hinzuzufügen“ (Ammann, S. 109). Gleichzeitig bildet er einen neuen Grundtypus aus, jenen der stolzen Mutter, die hier in archaisch-monumentaler Wirkung fast den gesamten Bildraum füllt. Auch stilistisch markieren diese Jahre einen Wendepunkt. Der Farbauftrag ändert sich und wird kleinteiliger und pastoser. Gleichzeitig offenbart sich der Künstler in den gekonnt gesetzten Licht-Schatten Partien – die Hauptfigur ist durch die Ausleuchtung perfekt in Szene gesetzt und hebt sich von dem im Schatten liegenden Gegenhang pathetisch ab – als Meister einer ausgefeilten Lichtregie.
(Sophie Cieslar)