Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

16. Dezember 2021, 16:00 Uhr

2021

Oskar Mulley

(Klagenfurt 1891 - 1949 Garmisch)

„Bergdorf“
1930er Jahre
Öl auf Leinwand
86 x 160,5 cm
Signiert rechts unten: Mulley.

Provenienz

österreichische Privatsammlung

€ 53.000

Nach der Ausbildung an der Wiener Akademie ab 1910/11 bei Alois Delug, der Oskar Mulley in erster Linie in Freilichtstudien nach der Natur unterwies, sowie anschließend bei Rudolf Jettmar, dessen Thema vor allem die menschliche Figur war, zieht der in Kärnten geborene Künstler Mulley im Jahr 1918 nach Tirol, das ihm zu seiner zweiten Heimat wurde. Mulley, der künstlerisch der Natursymbolik seines Lehrers Jettmars bis in sein Spätwerk verpflichtet blieb, verzichtete jedoch auf die Darstellung von Menschen in der Landschaft. Die Landschaft war für Mulley nicht Kulisse, sondern verselbstständigte sich zum symbolischen Bedeutungsträger. Die Architektur der Bergdörfer, Bauernhöfe oder Kapellen sind in Mulleys Werken stille Zeugen menschlicher Lebensform. Im großformatigen Bild „Bergdorf“ stellt Oskar Mulley in höchst beeindruckender Weise die riesige Dimension der Berge, im Vergleich zu der von Menschenhand erschaffenen Architektur dar. Die majestätisch inszenierte Bergkulisse nimmt fast den gesamten Bildraum ein. Klein und aneinandergedrängt wirkt dagegen das Dörfchen im Bildvordergrund. Aber es strahlt auch eine friedliche Würde aus. Das Dorf hat sich harmonisch den Gegebenheiten der Natur angepasst. Mulley trennt den Bildvorder- und Bildhintergrund farblich in meisterlicher Weise. Die Berge weisen feinfühlig gewählte Schattierungen in Grautönen auf, ergänzt durch Nuancen in Violett und Grün sowie einem faszinierenden Spiel von Licht und Schatten. Die Sonne bringt auch den Schnee der Gipfel in weiterer Ferne zum Strahlen. Auch das Dorf ist ins warme Sonnenlicht getaucht. Daher herrschen hier warme Farbtöne in Braun, Grün und Gelb. Das weiß gestrichene Mauerwerk der Häuser verstärkt die Leuchtkraft zusätzlich. Die Malsprache eines pastos gesetzten Farbauftrags, die Mulley auf gekonnte Weise mit Spachteltechnik erreicht, scheint die Bergwelt direkt auf die Leinwand zu übertragen. Wie es für den Künstler charakteristisch ist, greift er auch hier in der Komposition darauf zurück, die Nähe und Ferne durch einen Abgrund hinter dem Dorf zu verdeutlichen und die Weite des Panoramas dadurch noch zu verstärken. Als sensibler und genauer Beobachter hat Mulley dieses beeindruckende Motiv vornehmlich festgehalten. Dass Oskar Mulley neben Alfons Walde, Artur Nikodem und Wilhelm Nicolaus Prachensky zu den bedeutendsten Malerpersönlichkeiten Tirols zählt, hat er in diesem herausragenden Stimmungsbild eindeutig bewiesen.
(Sophie Höfer)