Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

16. Dezember 2021, 16:00 Uhr

2028

Carl Moll

(Wien 1861 - 1945 Wien)

„Aus dem Wiener Prater“
1929
Öl auf Leinwand
70 x 60 cm
Monogrammiert rechts unten: CM
Rückseitig auf alten Etiketten am Keilrahmen bezeichnet: aus dem Wiener Prater 1929 bzw. C. Moll / aus dem Wiener Prater / IV
Rückseitig am Keilrahmen altes Ausstellungsetikett mit der Nummer 632
Rückseitig Etikett Sammlung Dr. Josef Weese mit Bezeichnung sowie Ausfuhrstempel des Bundesdenkmalamtes: Nr. 134 Moll Carl Wien / aus dem Wiener Prater / Öl Leinw. monogr. / B=60 cm; H=70 cm

Provenienz

Sammlung Dr. Josef Weese (1888-1962), Wien;
Privatbesitz, Deutschland

Ausstellung

Brünn 1929, Sonderausstellungen

Literatur

Ausst.-Kat. Brünn, Sonderausstellungen. Prof. Anton Faistauer, Wien. Prof. Carl Moll, Wien. Frau Hertha Strzygowski, Brünn, 05.-26.05.1929, Kat.-Nr. 11 (?);
Arthur Roessler, Wiener Künstler. Prof. Carl Moll, in: Bernhard Altmann Magazin, Jg. 2, H 11/12, 1929, S. 4, mit Abb.;
Cornelia Cabuk, Carl Moll. Monografie und Werkverzeichnis, Belvedere Werkverzeichnisse, Band 11, Wien 2020, GE 378, s/w-Abb. S. 227 (dort um 1926 datiert, mit dem Titel "Mittagssonne im Prater")

€ 105.000

In den Jahren 1926 bis 1929 verbrachte Carl Moll die Wintermonate häufig im mediterranen Süden an der Côte d´Azur, in Beaulieu und an der ligurischen Küste. Das südliche Licht bereicherte den akzentuierten Kolorismus seiner Bilder von dort, indem er das Studium von Cézanne und der französischen Impressionisten mit dem expressiven Duktus seines Spätwerks in Einklang brachte. Nach Wien zurückgekehrt, belebte diese „Lichtmalerei“ die Palette seiner Praterbilder, zu denen auch das Gemälde "Aus dem Wiener Prater" zählt. Die Erkenntnisse der französischen Impressionisten und Postimpressionisten, welche das Licht unmittelbar in Farbe umsetzten, bestimmte Molls Darstellung der hellen, durch das Laub gefilterten Strahlen der Mittagssonne, indem er Lichter nicht nur auf dem Waldboden und das Laub setzte, sondern auch die Grüntöne dem unterschiedlichen Lichteinfall entsprechend bis ins helle Gelb abwandelte. Die Beleuchtungssituation zeichnet sich auch auf den Baumstämmen ab, die in einer Skala von braunen zu blauen und violetten Farbtönen changieren. Dementsprechend erscheint die materielle Substanz der Bildgegenstände im flüchtigen, variationsreichen Pinselduktus aufgelöst. Der Augeneindruck dieser ephemeren Lichtstimmung als das eigentliche Bildsujet wird im Titel „Mittagssonne im Prater“ ersichtlich, unter dem sein ehemaliger Mitarbeiter in der Galerie Miethke, Arthur Roessler es 1929 in seinem Beitrag "Wiener Künstler. Professor Carl Moll" publizierte. Für seine Leistung bei der Ausstellung "Die führenden Meister der französischen Kunst im 19. Jahrhundert" 1925 in der Secession hatte Moll den Titel Professor erhalten. Wie erfolgreich Moll in seinem Bestreben war, die französische Malkultur in die Darstellungsweise der heimischen Landschaft, insbesondere der von Waldmüller geprägten Praterlandschaft zu integrieren, zeigt seine Teilnahme mit Praterbildern an der Carnegie Institute International Exhibition 1931 oder der Venedig Biennale 1932. Im Vergleich zu den dort ausgestellten Kompositionen fasziniert das Bild "Aus dem Wiener Prater" durch die Frische und Unmittelbarkeit des Blicks, wobei Moll den Tiefenraum des Waldinterieurs anhand der unterschiedlichen Helligkeitswerte wie bei einem Spaziergang erschloss.
(Cornelia Cabuk)