Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. Dezember 2021, 14:00 Uhr

3048

Fritz Wotruba*

(Wien 1907 - 1975 Wien)

„Hockender ("Geschlossene Figur")“
1951
Bronze
H. 52,5 cm, B. 23 cm, T. 44,5 cm (ohne Sockel)
Nicht signiert und nicht nummeriert.
Entsprechend den Angaben im Gussbuch und dem aktuellen Forschungsstand und entgegen den Angaben im Werkverzeichnis sind vom Hockenden, 1951, in der ersten Fassung nach Stein (WV 162/1) 7 Bronzegüsse einer 7er Auflage, drei Epreuve-d'artiste-Güsse, zwei Zementgüsse und möglicherweise zwei weitere unnummerierte Bronzegüsse - zusammenfassend 12 bis 14 Exemplare - hergestellt worden. Insgesamt - die Exemplare beider Fassungen zusammengezählt - haben wir von der Existenz von maximal 18 Gussexemplaren dieses Werkes auszugehen.

Provenienz

Geschenk von Fritz Wotruba;
durch Erbfolge in deutschem Privatbesitz

Literatur

Jürg Janett (Hg.), Otto Breicha, Fritz Wotruba. Werkverzeichnis Skulpturen, Reliefs, Bühnen- und Architekturmodelle, St. Gallen 2002, WV-Nr. 162/I, S. 187.

Echtheitszertifikat von Gabriele Stöger-Spevak, Fritz Wotruba Privatstiftung, 21. Mai 2019, liegt bei.

€ 50.000

Fritz Wotruba zählte zu den bedeutendsten Bildhauern des 20. Jahrhunderts und gilt heute als Aushängeschild der Klassischen Moderne. Mit seiner vom Kubismus abgeleiteten geometrisch-abstrakten Formensprache, verhalf der Jahrhundertbildhauer der österreichischen Plastik zu internationalem Ruf. Im Zentrum seines Schaffens steht die menschliche Figur. Dabei strebte er nach Reduktion, Einfachheit und Harmonie. Als Lehrer an der Akademie der bildenden Künste Wien prägte er Generationen von Künstlern, u.a. Marc Adrian, Joannis Avramidis, Alfred Hrdlicka und Andreas Urteil. Wotruba beteiligte sich an zahlreichen Ausstellungen und ist heute in internationalen Sammlungen vertreten.

Geboren 1907 in Wien, wuchs Wotruba in einfachen Verhältnissen auf. Nach einer Ausbildung zum Stanzengraveur trat er 1926 in die Klasse von Anton Hanak an der Kunstgewerbeschule ein. Ab 1929 arbeitete er als freischaffender Bildhauer. In Anlehnung an die internationale Moderne verfolgte Wotruba eine reduzierte Formensprache, aufbauend auf kubischen Elementen. In den 1930ern feierte er zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Österreich, Deutschland, Italien, Frankreich und der Schweiz. Während des Nationalsozialismus emigrierte Wotruba nach Zürich, wo er bis 1945 lebte.

Auf Initiative von Herbert Boeckl übernahm Wotruba nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Meisterklasse für Bildhauerei an der Wiener Akademie. 1958 gestaltete er für den Österreichpavillon auf der Brüsseler Weltausstellung ein monumentales Figurenrelief. Dank der kulturpolitischen Unterstützung von Wotruba wurde 1962 das Museum des 20. Jahrhundert (heute 21er Haus) eröffnet. Neben Skulpturen und Plastiken schuf Wotruba Zeichnungen, Druckgrafiken und Theaterentwürfe. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählte die Wotrubakirche, heute eine Architekturikone in der Wiener Kunstlandschaft.

Im Jahr 1951 arbeitete Wotruba an der Figur Hockender (Geschlossene Figur). Von der Kalksteinskulptur gestaltete er Auflagenabgüsse in Bronze. Die erste Fassung ist ident mit der Steinskulptur, die andere weist Veränderungen auf. Die vorliegende Arbeit entspricht der ersten Fassung. Bei der Skulptur folgt Wotruba einem konstruktiven Formenprinzip, das die Figur zu einem blockartigen, archaischen Gebilde modelliert. Die Arbeit ist ein prägnantes Beispiel für Wotrubas Überwindung der klassizistisch-figurativen Vorkriegsarbeiten hin zu einem geometrischen, abstrakten Kompositionsschema.

(Stefan Üner)