Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

08. Juli 2021, 17:00 Uhr

2315

Arnulf Rainer*

(Baden 1929)

„Eitler Vogel“
1981/82
Öl auf Karton; gerahmt
51 x 73 cm
Signiert rechts unten: A. Rainer
Rückseitige Klebeetikette der Galerie Ulysses

Provenienz

1982 Galerie Ulysses, Wien;
seither Privatbesitz, Wien

Literatur

Arnulf Rainer. Hand- and Fingerpaintings 1981-1982, Galerie Ulysses (Hg.), Wien 1982, Abb. o. S.

€ 61.000

„Nachdem ich viele Kartons auf den Boden aufgelegt hatte und von einem zum anderen kroch, um die Farbmaterie als Schmiere, Markierung, Spur zu hinterlassen, fand ich zu einer sehr physischen Malweise…meine Hände waren dabei immer schmutzig, wund und offen, meine Knie aufgeschürft.“ (Quelle: Arnulf Rainer, Gejammer, 1982)

Arnulf Rainers Fingermalereien sind Explosionen an Farbe und Geste. Man spürt die körperliche Anstrengung, die den Prozess steuert. Beginnend mit chaotischen schwarzen Gesten, über rote und gelbe Wischer verdichtet sich die Bildsprache der vorliegenden Arbeit immer mehr zu einem engmaschigen, fächerförmig angeordneten Strichbündel. Die Impulsivität steigert sich Schicht um Schicht. Ungewöhnlich ist das Verschmieren der Farbe durch die Helligkeit von Weiß. Kratzer verfeinern die Linien und grobe Patzer aus einen Farb-Sandgemisch finalisieren und zentrieren die Arbeit. Die feine schillernde Buntheit erinnert an das aufgeplusterte Schwanzgefieder eines Vogels oder an eine kostbare Federkrone. Eine Assoziation die Arnulf Rainer in seiner Titelgebung „Eitler Vogel“ verstärkt.

Die ersten Fingermalereien entstanden um 1975 aus einer Notwendigkeit heraus. Ein abgebrochener Pinsel, den Rainer spontan ersetzten musste. Dieses Experiment führte zu aggressiven singulären Handschlägen, meist in roter Farbe auf weißem Malgrund. Ein Schlag. Ein Bild. In der Weiterentwicklung sind die Arbeiten malerischer und bewusster gestaltet. Die Bildsprache wird feiner, vieldeutiger und geheimnisvoller. Sie bietet ein sinnliches Erlebnis von Materialität, Farbigkeit und Form.

Arnulf Rainer ist ein Forscher. Aus einer Werkgruppe entsteht die nächste. Körpersprache ist das große Forschungsthema. Die Schwäche einer Grimasse, eines Striches animiert ihn zur Verbesserung und lässt seine Arbeiten zum Bestmöglichen wachsen.

(Christa Armann)