Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

08. Juli 2021, 17:00 Uhr

2356

Karl Prantl*

(Pöttsching 1923 - 2010 Pöttsching)

„Stele“
1986
Roter russischer Granit
144 x 20,5 x 16 cm

Provenienz

Privatsammlung, Deutschland

Literatur

Alexander Winter, Der Steinbildhauer Karl Prantl: Werkkatalog 1950-2000. Dissertation, München 2008, WK 302, Abb. S. 185.

Die Arbeit ist im Werkverzeichnis "Der Steinbildhauer Karl Prantl: Werkkatalog 1950-2000" unter der Nummer WK 302, Abb. S. 185 angeführt.

€ 35.000

Es ist seine reduzierte Formensprache, die Prantl zu einem der wichtigsten Künstler der Nachkriegszeit werden ließ, auch international gilt er als bahnbrechender Erneuerer der Steinbildhauerei, der er Zeit seines Lebens treu blieb. Im Gegensatz zu vielen anderen Kollegen arbeitete Prantl ohne Skizzen oder Modelle. Meist orientierte er sich an der ursprünglichen Form, die er im Groben beibehielt und dann den Eigenheiten des Steines entsprechend bearbeitete – er legte Maserungen frei, betonte Einschnitte, Augen, Durchbrüche und Vertiefungen. Prantl war es besonders wichtig, den Charakter, die Eigenheiten des Steines beizubehalten. Anschließend fügte er eine abstrakt-geometrische Ornamentform ein. Häufig finden sich Quadrate, Linien und Kreise, aber auch organisch wirkende, perlenartige Erhebungen, die zur Berührung einladen. Bei einer größeren Anzahl von Trägersteinen verzichtete er aber auch auf Ornamentierung und bearbeitete das Material nur durch Abrunden der Kanten oder Schleifen und Polieren der Oberfläche. Oft wählte er dazu Steine, die eine auffällige Färbung und Maserung aufweisen.

Durch ihre reduzierte Form rücken einige dieser schlichten Skulpturen in die Nähe der amerikanischen „Minimal Art“ - doch Prantls Zugang ist ein anderer. Er entschied sich bewusst für den Stein als Naturmaterial und bezog den Entstehungs- bzw. Aufstellungsort seiner Skulpturen in seine Arbeit mit ein. „Stein stellt für den Künstler das lebendige Konzentrat von Entwicklungsvorgängen, die auch den Menschen selbst betreffen, dar. Um dessen Verbindung mit Lebendigem, Neuem geht es Prantl ebenso wie um eine formale Materialanalyse. Der spirituell-archaische Charakter von Prantls Skulpturen wird durch überlegtes Platzieren im landschaftlichen Umfeld noch gesteigert." (Pappernigg, Michaela (Bearb.): Kunst des 20. Jahrhunderts. Bestandskatalog der Österreichischen Galerie des 20. Jahrhunderts, Bd. 3: L–R, Österreichische Galerie Belvedere (Hg.), Wien 1997, S. 218).

In seinem behutsamen, äußerst respektvollen Umgang mit seinem Arbeitsmaterial offenbart sich Prantls tiefe Naturverbundenheit und Demut vor der Schöpfung: Der Stein war zuerst da und wird lange nach Pflanzen, Tieren und Menschen noch immer da sein.

(Ina Waldstein)