Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

08. Juli 2021, 14:00 Uhr

2046

Werner Berg*

(Elberfeld 1904 - 1981 Rutarhof)

„Bei Frost unterwegs“
1976
Öl auf Leinwand
60 x 100 cm
Monogrammiert links unten: W. B.

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Literatur

Wieland Schmid u. a., Werner Berg. Gemälde, mit einem Werkverzeichnis von Harald Scheicher, Klagenfurt 1994, WV-Nr. 1065, s/w-Abb. S. 319

Wir danken Herrn Dr. Harald Scheicher für die freundliche Unterstützung.

€ 160.000

Wenn ich gefragt werde, warum ich in meiner Malerei an dem Gegenstand festhalte, so muss ich verdattert gestehen, dass dieses Warum niemals für mich bestanden hat. Die wirklichen künstlerischen Entscheidungen stehen jenseits solcher Fragen und Fragwürdigkeiten.
Sie wissen, dass ich nach Großstadtjugend, Werkarbeit und Studium ein Bergbauernanwesen mit meiner Familie in der Einschicht bearbeite. Mit Romantizismus hat das nicht das Geringste zu tun, und wer solche Lebensform diese Zeit hindurch erprobt und bestanden hat, weiß, dass es keine härtere, unsentimentalere Realität gibt als das Landleben ohne Schaustellfarce. Diese Distanzierung vermag dennoch Empfinden und Bewusstsein für die geistigen Entscheidungen und Ereignisse der Zeit erst recht zu schärfen. – Der Besitz eines Misthaufens ist nicht Voraussetzung für künstlerisches Schaffen. Dieses vollzieht sich immer und überall nur aus einer geistigen Situation, die zu erarbeiten ist.
Die Gegensätze bilden eine Zange ganz besonderer Art zur Wirklichkeitsbe- und -ergreifung. Der Zwang zur Arbeit, der Lebensrhythmus der Jahreszeiten und seine sehr realen Sorgen schienen mir für die künstlerische Gestaltung stets mehr förderlich als hinderlich zu sein, wie man das auch zu Zeiten verfluchen mochte. Jeder Schritt erfüllt den Sehenden mit Anschauung, die Sorge um Wachstum, Gedeihen oder Vernichtung will der Willkür nicht viel Raum geben, den „Gegenstand“ zu zerlegen oder aufzulösen, den Gegenstand, der Acker und Wald, Blume und Vieh und immer wieder der Mensch ist.
Dieser unterkärntnerische Landstrich hier ist voll der merkwürdigsten Spannungen, Restmodell jenes Erdteils, der einst Österreich-Ungarn hieß. In seltener Vielfalt der Landschaft ist die slawisch-slowenische Grundsubstanz mit dem Kärntnerischen zusammengewachsen, bei unmittelbarer Nachbarschaft des Romanisch-Lateinischen. Noch in der äußersten Verwandlung des Gestaltens verwachsen dem Bilde daraus Schwingung und Arom, aufs Neue stets und unausschöpfbar.
(Werner Berg, Bekenntnis zum Gegenständlichen, Städtische Galerie München, 1961)