Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

07. Juli 2021, 16:00 Uhr

1373

Anton Romako

(Atzgersdorf bei Wien 1832 - 1889 Wien)

„Italienischer Fischerknabe und Fischermädchen an der Felsküste von Capri“
um 1880
Öl auf Leinwand
45 x 86,5 cm
Signiert rechts unten: A. Romako

Provenienz

Privatbesitz, Deutschland

Literatur

Vgl. Cornelia Reiter, Anton Romako. Pionier und Außenseiter der Malerei des 19. Jahrhunderts. Monografie mit Werkverzeichnis, Wien 2010, S. 156, WV-Nr. 228 (WV-Nr. 634, 766, 767)

€ 30.000

Der in der Nähe von Wien geborene Anton Romako lebte ab 1857 mit seiner Familie in Rom. Dort feierte er als Künstler große Erfolge. Das Leben der italienischen Landbevölkerung hielt er in zahlreichen Genrebildern fest. Diese Sujets waren auch bei internationalen Kunstliebhabern sehr gefragt. Romakos Gunst beim Publikum hielt jedoch nicht an. 1876 kehrte er, nach persönlichen Schicksalsschlägen, wieder in seine Heimat zurück. In Wien konnte er sich als Künstler jedoch nicht mehr etablieren. Das Unverständnis der Kunstwelt für seine malerische Entwicklung trugen dazu bei, dass er am Ende seiner Tage in Isolation und existenzielle Not geriet.

Seit seiner frühen Zeit in Rom, lag Romako daran flüchtige Momente festzuhalten. So ein kurzlebiger Augenblick ist auch in unserem Gemälde dargestellt. Im Wien Museum befindet sich ein Aquarell (WV-Nr. 228), welches wohl mit vorliegendem Werk in Zusammenhang steht, und als Vorlage gedient haben könnte. In einem Brief vom 19. Juli 1882 (Wienbibliothek, Inv.-Nr. 65.498) schreibt Romako an einen Freund: „Hier ist das Bild Motiv von Capri nach Studien der Wirklichkeit. Die Staffage ein Fischer welcher diesem Austern-Mädel auf die Felsen hilft.“

Diese Sätze könnten sich auf unser Gemälde beziehen, denn auch hier befindet sich ein Paar an einem zerklüfteten Meeresstrand. Ein junger Fischer reicht seiner Gefährtin die Hand, und hilft ihr einen Felsen zu erklimmen. Im Aquarell des Wien Museums trägt das Mädchen einen Korb mit Austern, im Ölgemälde ist dieses Attribut nicht zu sehen. Ungewöhnlich modern wirkt Romakos Malweise. Mit pastosem Pinselstrich, jedoch stark reduzierter Farbpalette, bestehend hauptsächlich aus verschiedenen Braun- und Blautönen, unterbrochen lediglich durch das Weiß in der Kleidung der Figuren, gestaltete er eine Momentaufnahme, wie wir sie aus seinem Spätwerk kennen. Die Dominanz der Linie, wie dies in den äußerst bewegt dargestellten Figuren zum Tragen kommt, sowie die Zurücknahme der Raumperspektive, unterstreichen diesen Eindruck noch zusätzlich. Bemerkenswert ist, dass bei vorliegender Arbeit Romakos sehr individueller Stil bereits voll entwickelt ist. Seine Zeitgenossen brachten dafür jedoch kein Verständnis auf. Der Künstler war hier seiner Zeit weit voraus. Er schuf Meisterwerke mit modernen Ausdrucksmitteln, die Ende des 19. Jahrhunderts nicht geschätzt wurden, jedoch zukunftsweisend waren. (MS)