Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

07. Juli 2021, 16:00 Uhr

1386

Emil Jakob Schindler

(Wien 1842 - 1892 Westerland)

„Partie aus Zütphen ("Erinnerung an Holland")“
1882
Öl auf Leinwand
59 x 78 cm
Signiert und datiert rechts unten: Schindler 1882
Rückseitig mehrere Etiketten: Kunsthandlung H.O. Miethke, Wien;
Etikett Wiener Künstlerhaus: 223 (Nummer im Einlaufbuch 1892/93);
Etikett mit der Nummer: 1270;
rückseitig handschriftlicher Besitzervermerk: v. Felsövanyi

Provenienz

1883 Verlags-Kunsthandlung H.O. Miethke, Plankengasse 2, Wien, "Partie aus Zutphen in Holland";
Sammlung Dr. Anton Loew (1847-1907), Vater von Gertrud "Gerta" Loew, gekauft 1892 im Künstlerhaus, Wien, "Parthie bei Zütschen in Holland", Eigentümer bzw. Einsender ins Künstlerhaus war H.O. Miethke;
bis 1938 Sammlung Gertrud Felsöványi, geb. Loew (1883-1964), Wien;
Galerie Paffrath, Düsseldorf (laut Fuchs);
Privatsammlung, Wien

Ausstellung

1883 Wien, XIII. Jahres-Ausstellung im Künstlerhaus, Nr. 17;
1883 München, Internationale Kunstausstellung im Königlichen Glaspalast, Nr. 1792 ("Partie aus Zutphen in Holland");
1886 Berlin, Jubiläums-Ausstellung der Königlichen Akademie der Künste im Landes-Ausstellungsgebäude, Nr. 1005 ("Partie aus Holland");
1891 Stuttgart, Internationale Gemälde-Ausstellung im Königlichen Kunstmuseum, Nr. 257 ("Holländische Landschaft, Partie bei Zütphen");
1892 Wien, Schindler-Ausstellung im Künstlerhause, Nr. 29 ("Partie aus Holland")

Literatur

Carl Moll, Emil Jakob Schindler 1842-1892. Eine Bildnisstudie, Wien 1930, S. 55, Nr. 10 ("Erinnerung an Holland", Besitz von Gerda von Felsövaneyi, Wien; SW-Abb.);
Heinrich Fuchs, Emil Jakob Schindler. Zeugnisse eines ungewöhnlichen Künstlerlebens. Werkkatalog, Wien 1970, S. 13, S. 205, Nr. 345 (SW-Abb.)
Friedrich von Boetticher, Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts. Beitrag zur Kunstgeschichte, Bd. II/2, Hofheim/Taunus 1979, S. 560, Nr. 46


€ 102.000

Im Sommer 1875 unternahm Emil Jakob Schindler gemeinsam mit Tina Blau eine ausgedehnte Studienreise nach Holland. Dort besuchten sie die bekanntesten Museen und waren von der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts tief beeindruckt. Nicht minder begeisterte beide Künstler das flache Land mit dem weiten Himmel und tiefem Horizont. Die differenzierten Lichtverhältnisse übten ebenso eine Faszination aus, wie die typischen Motive des Landes an der Nordsee.

Vorliegendes Werk ist mit 1882 datiert und wird auch mit „Erinnerung an Holland“ betitelt. Bei Fuchs ist zu lesen, … „ein wahres Prachtwerk aus dieser Zeit ist seine ‚Partie aus Zütphen‘. Angeblich soll es sich um das Geburtshaus Jakob’s Ruisdael handeln.“

Dieses Gemälde von Schindler hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Wie aus Aufzeichnungen des Wiener Künstlerhauses hervorgeht, kaufte der Sanatoriumsbesitzer Dr. Anton Loew (1847-1907) das Werk im Jahr 1892 bei der großen Schindler-Ausstellung im Künstlerhaus. Nach dem Tod Loews ging das Gemälde offensichtlich an seine Tochter Gertrud "Gerta" (damals verehelichte Eisler von Terramare). 1912 heiratete diese in zweiter Ehe den Industriellen Dr. Elemér Felsöványi de Felsö-Vány (1882-1923). Im Katalog der von Carl Moll organisierten Schindler-Ausstellung im Jahr 1930 ist Gerta von Felsöványi als Besitzerin des Gemäldes „Erinnerung an Holland“ (mit SW-Abb.) angeführt.

Nach dem "Anschluss" Österreichs im Jahr 1938 wurde das Sanatorium Loew, dessen Hauptaktionärin und leitende Präsidentin Gerta von Felsöványi war, von den Nationalsozialisten geschlossen und die Gebäude enteignet. Gerta selbst gelang gemeinsam mit ihren Kindern 1939 die Flucht in die USA, ihre umfrangreiche Kunstsammlung musste sie jedoch in Wien zurücklassen. Die meisten Kunstwerke wurden in der Zeit der Naziherrschaft veruntreut oder enteignet, nur ein Bruchteil der Sammlung ist nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs restituiert worden. (Vgl. Sophie Lillie, Was einmal war, 2003, S. 356-359)

Dass wir vorliegende Arbeit zur Versteigerung anbieten dürfen, beruht auf einer privatrechtlichen Restitution, die zwischen dem gegenwärtigen Eigentümer und den Erben von Gerta Loew-Felsöványi vereinbart worden ist. (MS)