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Klassische Moderne

0022

Oskar Kokoschka

(Pöchlarn 1886 - 1980 Montreux)

„Kniendes Mädchen“
um 1920
Aquarell auf Papier
66 × 50,7 cm
Signiert rechts unten: OKokoschka

Provenienz

Kunsthandel, Wien;
österreichischer Privatbesitz

Literatur

Oskar Kokoschka, Expressionist, Migrant, Europäer. Eine Retrospektive, Ausstellungskatalog Kunsthaus Zürich und Leopold Museum, Zürich und Wien 2018, Abb. S. 145

Preis auf Anfrage

Kokoschka beginnt erst spät, sich mit dem Aquarell zu beschäftigen. Ohne Deckweiß ist es eine Art der Malerei, die keine Fehler zulässt. Nachbesserungen sind kaum möglich, jeder Pinselstrich muss sitzen. Kniendes Mädchen ist ein Paradebeispiel für Kokoschkas Virtuosität auf diesem Gebiet. Mit wenigen Strichen gelingt es ihm, den Körper, seine Bewegung, aber auch den Ausdruck festzuhalten. Die Phase zwischen 1920 und 1924 brachte herausragende Arbeiten hervor.

Im Zentrum der Arbeiten Kokoschkas stand der Mensch. Meist verwendete er sehr saugfähige Papiere, um eine matte stumpfe Farbwirkung zu erzeugen. Der lasierte Farbauftrag lässt den Malgrund als wesentliches Gestaltungsmittel wirken. Die Darstellung des knienden Mädchens gehört zu eben jener Reihe autonomer Aquarelle, die Kokoschka während seiner Zeit in Dresden malte. Hier definiert er die Form des Körpers mit wenigen, breiten Pinselstrichen. Sie verlaufen entlang der einzelnen Körperpartien in vorwiegend vertikal angelegten Linien. Die erdigen Farben sind an einigen Stellen übereinander gelegt und vermischen sich zu neuen Farbakzenten. An den Knien und Kniekehlen, im Bereich des Kinns und der Augen, ebenso der Haare verstärkt Kokoschka die Konturen durch schwarze Striche. Besonders die Mimik des Mädchens – mit einem distanziert abwartenden Blick - fing Kokoschka hier mit wenigen gezielt angelegten Pinselzügen ein.

Kokoschka hatte die Fähigkeit spezielle Details – im Blick und in der Haltung - seiner Modelle wahrzunehmen und daraus lebendige, eindringliche Momentaufnahmen für den Betrachter zu schaffen. Die Aquarelle um 1920 bestechen durch die mutig und frei gesetzten expressiven Farbflächen, die den Blick lenken und sich harmonisch zu einer Einheit verbinden.

Erst in seiner Spätzeit, ab Ende der 50er Jahre, widmete sich Kokoschka wieder intensiv dem Aquarell. Tiere und Blumen wurden dann zu seinen bevorzugten Themen.