Auktionshaus

Zeitgenössische Kunst

0012

Rudolf Polanszky

(Wien 1951)

„Reconstructions / gespiegelte Symmetrien“
2011
Spiegelfolie, Acrylglas, Kunststoff, Silikon, Acryl auf Molino; ungerahmt
188 x 211 cm
Rückseitig signiert und datiert: Polanszky 11

Provenienz

vom Künstler erworben;
seither österreichischer Privatbesitz

Preis auf Anfrage

„Meine Arbeit ist ein Versuch, Entsprechungen von Vorstellungsmustern neu zu ordnen, zu verändern und meine Denkstrukturen umzuorganisieren.“ Mit Witz und Ironie, Mathematik und Philosophie, konstruiert der Künstler eine Metaebene des Erlebens bzw. einen anderen Zustand der Realität.

Seit den 1970ern arbeitet der Wiener Konzeptkünstler Rudolf Polanszky an der Schnittstelle von Malerei, Grafik, Skulptur, Film und Fotografie. In seinen konzeptuellen und multimedialen Arbeiten beschäftigt sich der Grenzgänger mit der kritischen Hinterfragung und Wahrnehmung von codierten Systemen und Verfahren. Naturgesetzen, festgefahrenen Mustern und dem Einfluss der bewussten Vorstellung steht er skeptisch gegenüber. Polanszky erzeugt einen sinnbefreiten Zustand, bestehend aus Strukturen, Symmetrien und Räumen. Er transformiert das Ordnungsprinzip in ein freies, anarchisches Assoziationsfeld. Indem er die Materialität von ihrer Funktion befreit, eröffnet er dem Betrachter eine neue Sichtweise. Der freie Wille und die spontane Zusammensetzung im neuen Kontext bezeichnet Polanszky als „Ad-hoc-Synthese“.

Erste Aufmerksamkeit erregte der Autodidakt mit seinen Schweinsfettzeichnungen 1976, wo er in Anlehnung an Joseph Beuys und die Wiener Aktionisten mit verschiedenen Materialien experimentierte. Zu seinem Bekanntenkreis zählte Franz West und Dieter Roth. In seinem Experimentalfilm Zu einer Semiologie der Sinne 1976–78, wie auch in seinen performativen Sprungfedernzeichnungen und Sitzbildern aus den 1980ern nutzte Polanszky den Kontrollverlust als künstlerische Strategie. Die 1990er markierten eine künstlerische Wende. Er begann meist Leinwandbilder und Assemblagen zu schaffen, in denen er industrielle Materialien wie Acrylglas, Aluminium, Draht, Harz, Schaumstoff, Silikon und Spiegelfolie verwendete und sie in einen neuen ästhetischen Kontext setzte. So auch in seinem großformatigen Bild Reconstructions von 2011. In der Bildserie untersucht Polanszky die Wechselwirkung verschiedener Strukturen und Materialien. Mit seiner freien Ordnung erzeugt er eine neue Interpretation im skulpturalen Raum. Ausstellungen bei Gagosian in New York (2020), in der Wiener Secession (2018) und in der Fondazione Morra Greco in Neapel (2015–16) verdeutlichen Polanszkys immensen Stellenwert für die internationale Gegenwartskunst. (Dr. Stefan Üner)