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Zeitgenössische Kunst

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Objekt

0003

Arnulf Rainer

(Baden 1929)

„Füsse“
1960er Jahre
Mischtechnik auf Papier; gerahmt
28 x 22,3 cm
Bezeichnet im Bild: Füsse
Signiert rechts unten: Rainer

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Preis auf Anfrage

Rainer experimentierte mit Drogen, um eine Bewusstseinsveränderung hervorzurufen. Die Vernunft sollte ganz ausgeschaltet werden, um in den von ihm ersehnten Zustand der Ekstase zu gelangen. Schnelle, spontane Zeichnungen entstanden während extremer Gefühlszustände. Mit nervösen Strichen skizzierte Rainer Fratzen und Verzerrungen, die aus verschütteten Fantasien emporsteigen.

Das Gesicht, die Grimasse, die Körpersprache begannen ihn zu interessieren. Auch Blindzeichnungen, als Übungen zum Festhalten gestalterischer Impulse, nimmt er wieder in sein Arbeitsprogramm auf. Die vorliegende Arbeit ist ein Kleinod aus all diesen Bildsprachen. Das zarte Bleistiftgewirr einer Drogenzeichnung. Ein Profil mit roten Lippen, mittig getrennt durch eine verdichtete Zentralisation
und Schrift als sprachlich-surreale Zuordnung verbinden sich zu einer außergewöhnlichen
Gesamtheit.

Rainer über Kunst und Wahn: …In den Psychosen kommt der Humus, aus dem die Menschheit erwachsen ist, zum Vorschein. Den versuche ich auch zu erfassen. Also forsche ich. Im Gegensatz zu Jean Dubuffet interessieren mich nicht sosehr die bildnerischen Produkte der Kranken (sie setzen ein bestimmtes Kulturfeld voraus) als ihre generelle Art und Weise…. (Arnulf Rainer, Schriftliches Interview mit Hermann Kern, 1974 in: Corinna Thierolf Hrg.in, Arnulf Rainer. Schriften, Ostfildern 2000) Arnulf Rainers Vorliebe für das Abseitige und Hintergründige führte ihn einerseits zu den Übermalungen und andererseits zur Kunst der Art Brut, als eine aus der Tiefe der menschlichen Seele heraufstrebende Ausdrucksform. Seit 1963 sammelt Rainer Werke von psychisch kranken Künstlern. Seine phantasmagorischen Arbeiten aus den 60er Jahren sind geprägt von diesen Einflüssen.