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Zeitgenössische Kunst

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Objekt

0010

Hans Bischoffshausen

(Feld am See/Kärnten 1927 - 1987 Villach)

„Behausungen“
1960
Spachtelmasse, Kunstharzplatte im Plexiglasrahmen; gerahmt
46 x 62,5 cm
Rückseitig signiert, datiert und bezeichnet: Bischoffshausen, 1960, "Behausungen", Künstleretikette und Archivverweis 8. Nr. 310/77

Provenienz

im Kinsky Wien, 26.11.2015, Nr. 869;
seither Privatsammlung, Wien

Preis auf Anfrage

Reliefartige Strukturelemente nehmen im Wechsel von Licht und Schatten Gestalt an. Der Titel leitet unsere Interpretation, noch lassen sich konkrete Gegenstände vermuten. Doch ist es ein Werk im Umbruch. Ein Abschied von Altem und ein Befreiungsschlag.

Bei den Behausungen handelt es sich um ein Werk aus der Anfangszeit von Bischoffshausens monochromer Phase, die sich über die gesamten 1960er Jahre erstreckte. Zu Beginn – wie auch hier im vorliegenden Bild – suchte Bischoffshausen immer wieder noch die Anbindung an eine abbildende bzw. gegenständliche Auffassung von Malerei, indem er seine Strukturelemente zu bestimmten, an das Gegenständliche angelehnten Formen anordnete und auch entsprechend benannte (beispielsweise Tête (Kopf), Kreuz, Kreuzblume). Doch schon bald löste er sich von jeglichem gegenständlichen Korsett und seine Anordnungen wurden freier, intuitiver. Auch die Titel bezogen sich dann auf zwar reale, jedoch nicht optisch wahrnehmbare Wirklichkeiten (Energiefelder, Räume…). Behausungen kann als Werk an der Kippe zu dieser Befreiung eingeordnet werden, da es zwar noch einen gegenständlichen Bezug gibt, der ohne den Titel jedoch kaum herzustellen wäre.

Der Titel Behausungen selbst ruft Bischoffshausens lebenslange intensive Auseinandersetzung mit Architektur in Erinnerung. Er hatte in den 50er Jahren selbst einige Zeit lang Architektur studiert, realisierte später viele Projekte „IN- AN- und UM-Architektur“ (sic!) (Bischoffshausen, 1987) und verfasste zahlreiche architekturtheoretische Schriften in der von ihm im Eigenverlag herausgegebenen Zeitschrift „Bischoffshausen und die Kultur“. Andererseits beschäftigte das Thema „Wohnen“ den Maler im Entstehungsjahr des vorliegenden Werks auch auf ganz persönlicher Ebene intensiv: Frisch nach Paris übersiedelt, war er Anfang 1960 wochenlang damit beschäftigt, für sich und seine Familie einen Schuppen im Abbruchviertel „Glacière“ halbwegs bewohnbar zu machen. „Halb Schihütte – halb KZ und noch 10 % Luxus dazu. - aber es ist Paris“, beschrieb er der Familie Hildebrand in einem Brief die so entstandene „Behausung“, in der die Familie Bischoffshausen mehrere Jahre lang leben sollte.