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Zeitgenössische Kunst

0007

Max Weiler

(Absam bei Hall i. Tirol 1910 - 2001 Wien)

„Baum“
1972
Eitempera auf Leinwand
200 × 205 cm
Signiert und datiert rechts unten: Weiler 72
Rückseitig auf der Leinwand signiert, datiert und bezeichnet: Weiler 1972 / BAUM 1972; auf dem Keilrahmen bezeichnet und datiert: MAX WEILER "BAUM 1972" FRANKF[urt] 84

Provenienz

österreichische Privatsammlung

Ausstellung

1972, Graz, Steirischer Herbst
1972, Wien, Akademie der bildenden Künste
1984, Frankfurt a. M., Frankfurter Kunstverein
1984, Innsbruck, Forum für aktuelle Kunst, Galerie Krinzinger
1989, Wien, Museum des 20. Jahrhunderts
1992, Innsbruck, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
2004, Krakau, Miedzynarodowe Centrum Kultury

Literatur

Österreichische Malerei, Ausstellungskatalog. Steirischer Herbst, Graz 1972;
Akademie der bildenden Künste, Ausstellungskatalog, Wien 1972, S. 49;
Almut Krapf, Max Weiler. Werkverzeichnis der Bilder von 1932 bis 1974, Salzburg 1975, S. 334, Nr. 722, Tafel 51;
Peter Weiermeier (Hg.), Max Weiler, Ausstellungskatalog, Frankfurter Kunstverein, Steinernes Haus am Römerberg, Frankfurt a. M., 21.3. - 22. 4. 1984, Abb. S. 19;
Max Weiler 1962-1983, Ausstellungskatalog, Forum für aktuelle Kunst, Galerie Krinzinger, Innsbruck 1984, Kat. Nr. 19, Abb;
Otto Breicha, Weiler. Die innere Figur, Galerie Welz Salzburg, Wien 1989, S. 264/265 (Abb.);
Gert Ammann (Hg.), Weiler. "Innenschau", Ausstellungskatalog, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck, 6. Mai - 28. Juni 1992, Abb. S. 146, S. 182;
Wieland Schmied, Max Weiler. Ein anderes Bild der Natur. Der Weg zum Spätwerk, Hg. Kunsthistorisches Museum Wien, Salzburg 1998, Abb. S. 84;
Gottfried Boehm, Der Maler Max Weiler. Das Geistige in der Natur, 2. Auflage, Springer Wien, New York 2001/2010, Abb. S. 301;
Thomas Zaunschirm, Max Weiler. 1910-2001, Wie eine Symphonie, 1990, Hommage à Mozart, Salzburg 2008, Abb. S. 72;
Max Weiler (1910-2001)- Malarstwo, Miedzynarodowe Centrum Kultury, Krakau 2004, Abb. S. 69

Preis auf Anfrage

Baum von 1972 ist nicht nur eines der größten, sondern auch eindrucksvollsten Bilder der Serie „Landschaften auf tönenden Gründen“. Es zeigt in seiner reinsten Form Weilers damaliges künstlerisches Wollen. Dem „Tönen“ der Farben, ihrem energetischen und emotionalen Potential Priorität einzuräumen. In seiner reinsten Form, weil in keinem anderen Werk der Serie Bildgrund und Bildmotive in gleicher Weise zu einer so intensiven, in diesem Fall glühendroten, farblichen Einheit verschmelzen.

Den Zeitraum zwischen 1960 und 1980 definieren prominente Kunsthistoriker wie Wieland Schmidt und Gottfried Boehm, die sich beide intensiv mit dem Gesamtoeuvre Weilers beschäftigt haben, als dessen reife Phase. Sie setzen ihren Beginn mit dem konsequenten Übergang zur Abstraktion im Zyklus „Als alle Dinge…“ (1961 bis 1962) an und ihren ersten Höhepunkt mit dem darauf folgenden Durchbruch der immer schon dagewesenen sogenannten „inneren Figur“ in der Serie „Wie eine Landschaft“ (1962 bis 1967).

In dieser sogenannten Reifephase, in der sich mehrere deutlich unterschiedliche malerische Ansätze erkennen lassen, entstehen von 1969 bis 1973 auch die „Landschaften auf tönenden Gründen“. Es sind etwa 100 Bilder, die von Weiler anlässlich ihrer ersten Vorstellung auch „persönliche Landschaften“ genannt wurden. Lassen wir den Künstler selbst über seine „Landschaften auf tönenden Gründen“ sprechen: „Hatte ich bisher meine gefundenen Formen auf die weiße Bildfläche gemalt, so tauchte ich diese Bildfläche nun in eine Farbe. Wenn ich dunkles Blau nahm, hatte ich schon die ganze Nacht vor mir. Ein ganz lichtes Blau – der Morgen, ein Caput mortuum mit Englischrot – der von der Sonne noch glühende abendliche Gewitterhimmel, Ocker – eine warme Gegend. Diese Macht der Farben, Naturstimmungen zu erzeugen, hatte ich fast vergessen, jetzt aber nützte ich sie neu aus.

Ich musste zuerst aus praktischen Gründen einige Neuerungen dazu erfinden, so etwa konnte ich auf den farbigen Gründen die Kompositionen nicht mehr mit Bleistift zeichnen, weil man sie einfach nicht sah. Ich nahm daher weiße oder eine andere helle Farbe … Diese weiße Zeichnung auf dem dunklen Grund ergibt ein weißes Netzwerk, das das Bild ins Immaterielle führt. Es hebt alles Plastische auf. Es macht das Bild unnaturalistisch und etwas schwer begreiflich, während es durch den gefühlsbetonten Grund, ich nannte ihn auch den »tönenden« Grund, ansprechender wurde …“ (Tages- und Nachthefte 1970) In Weilers Werk spiegeln sich die unterschiedlichen Facetten seines Wesens zwischen Emotion und Ratio. Ihr fruchtbarer Widerstreit war sein Antrieb, sein Motor.

So wie die Natur überbietet sich Weiler durch eine permanente Metamorphose der Farben und Formen gleichsam selbst. Um ihre Pracht, ihren Prunk und ihre Fülle darzustellen, bedient er sich vornehmlich der Motive Blüte, Blume und Baum. Sein Baum wächst durch die Mittel der Kunst zu einem monumentalen und universellen Zeichen.