Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

28. November 2013, 18:00 Uhr

0140

Rudolf von Alt

(Wien 1812 - 1905 Wien)

„Brückenturm auf der Kleinseite in Prag“
um 1853
Aquarell auf Papier
36,7 × 28,5 cm
Signiert rechts unten: R Alt

Provenienz

Privatbesitz, Österreich

Literatur

vgl. Walter Koschatzky, Rudolf von Alt. Wien, Köln, Weimar 2001, S. 207, Abb. 106; S. 376, WV-Nr. 53/08; vgl. Marianne Hussl-Hörmann, Rudolf von Alt. Die Ölgemälde, Auktionshaus im Kinsky (Hg.), Wien 2011, S. 130, WV 36, Abb. b

€ 65.000

Im Oktober 1838 lernte Rudolf von Alt erstmals die Schönheit Prags kennen, die ersten bekannten Aquarelle mit Motiven der Stadt sind mit 1839 datiert, 1843 scheint das erste Mal der Blick auf die beiden Brückentürme der Karlsbrücke am Beginn des Kleinseiter Stadtteils in Alts Oeuvre auf (Koschatzky, WV 43/32, im Kinsky 35. Auktion, Nr. 20). Prag zählte unter Sammlern sicher zu den bevorzugten Stadtbildern, weshalb der Maler nach 1848, als das Reisen wegen der politisch unsicheren Zeiten erschwert worden war und er auf frühere Bildmotive zurückgreifen musste, auch das Motiv des Brückenturmes für zwei verzeichnete Aquarelle 1852 (ohne genaue Bildangaben, Koschatzky 52/12) und 1853 (Koschatzky 53/08) heranzog. Das vorliegende, neu aufgetauchte Blatt ist nicht datiert, aber es weist eine auch in den Staffagen motivische Verwandtschaft mit dem Blatt von 1853 auf, das sich heute im Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste befindet. Bei diesen späteren Varianten hat Alt zwar die Perspektive auf das architektonische Denkmal von seiner ersten Ansicht aus den 1840er Jahren übernommen, aber eine neue Szenerie entwickelt: eine dreispännige Kutsche fährt aus dem Tor heraus, eine elegante Dame in blauem Kleid und Sonnenschirm spaziert am Arm eines Mannes mit Zylinder gemeinsam mit anderen Personengruppen ebenso in Richtung Altstadt. Ihnen begegnet nur ein Soldat, ein Kraxen tragender Mann und ein Hündchen. Die Übereinstimmung mit dem Aquarell im Museum ist frappant und beweist Alts Zufriedenheit mit der Komposition. Schließlich sollte er das Motiv auch in eines seiner seltenen Ölbilder übertragen.

Wiederholungen eines Themas sind im Werk Alts nichts Ungewöhnliches, sondern Teil seiner Arbeitsweise. Das Motiv diente dem Geschäftsinteresse, während die Ausführung jedes Mal eine eigene künstlerische Qualität aufweist. Das vorliegende Blatt besticht vor allem durch die hervorragende Meisterung des Lichtspieles, das auf den monoton braunen Fassaden der Bauwerke reizvolle Nuancierungen zeichnet. Alts berühmt lockere und so selbstverständlich wirkende Pinselführung verleiht den Figuren außerdem eine zarte Lebendigkeit und dem Augenblick seine Unvergänglichkeit. (MHH)