Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

26. November 2013, 17:00 Uhr

0534

Ernst Nepo*

(Dauba 1895 - 1971 Innsbruck)

„Ölberg“
um 1930
Öl-Tempera auf Leinwand
61 × 57,5 cm

Provenienz

Privatbesitz, Österreich

Literatur

Ernst Nepo 1895-1971, Hrsg. Famile Dr. Lucas Nepo, Innsbruck, 1993, Abb. o. S.

€ 20.000 - 35.000

Ernst Nepo, einer der bedeutendsten Vertreter der Neuen Sachlichkeit in Österreich, ändert 1920 seinen Namen von Nepomucky in Nepo um, wohl auch, um die Nähe zu seiner neuen Heimat Innsbruck auszudrücken. Dort ist er seit 1918 im Kulturleben fest verankert. Er pflegt regen Kontakt zu den bedeutendsten Künstlern der Region und gründet 1925 gemeinsam mit Wilhelm Nikolaus Prachensky und Rudolf Lehnert die Künstlergruppe „Waage“. Seine Malerei hat ihre Wurzeln im Wiener Secessionismus, die aber bald von expressiven Elementen überlagert werden. Nepo setzt sich auch mit internationalen Strömungen wie dem Futurismus und Kubismus auseinander, ehe er sich komplett der Neuen Sachlichkeit zuwendet.

„Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen“, betet der um sein Schicksal wissende Jesus am Berg Gethsemane, dem Ölberg, den er nach dem letzten Abendmahl aufgesucht hatte. Die getreuen Jünger sind vor Kummer und Erschöpfung eingeschlafen. Die kahlen in die Höhe ragenden Bäume verkünden bereits das nahende Unheil, den Verrat des Judas und die Kreuzigung Christi. Parallel zu den knorrigen, blattlosen Ästen, reckt Jesus seine Arme in verzweifeltem Gebet zu seinem Vater im Himmel empor. Die Gestalten der schlafenden Apostel scheinen fast mit dem felsigen Grund im Vordergrund verwachsen, wären sie nicht durch ihre Gewänder farblich davon abgesetzt.
Der Himmel ist hell, bald wird die Sonne aufgehen, das zarte Blau vermittelt Hoffnung, durch die Auferstehung wird Jesus an der Seite seines Vaters zum Verkünder des ewigen Lebens und einer Existenz nach dem Tode.
Die pastellige Farbgebung und das Licht, das die Bildfläche gleichmäßig erstrahlen lässt, erinnert an die Malerei Ferdinand Hodlers, ebenso wie der tektonische Aufbau der Komposition und die betonten Umrisslinien. Die schlafenden Apostel bilden die Basis am Fuß des Hügels, über die der Blick des Betrachters empor wandert bis zur Klimax des betenden Jesus. Diese spannungsgeladene Verschichtung ist typisch für die Kompositionen Ernst Nepos, der vor allem in seinen Wandfresken - die bekanntesten befinden sich in der Kirche in Kreith bei Mutters und der Theresienkirche auf der Hungerburg – auch für seine religiösen Themen von Kritik und Öffentlichkeit hochgelobt wurde. (Sophie Cieslar)