Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

26. November 2013, 17:00 Uhr

0519

Willi Baumeister*

(Stuttgart 1889 - 1955 ebd.)

„Marmor-Reliefbild“
1952
Öl mit Kunstharz auf Hartfaserplatte
54 × 65 cm
Signiert und datiert rechts oben: Baumeister 52

Provenienz

Will Grohmann, Berlin; Villa Grisebach, Berlin, Auktion am 1. 12. 2006, lot 79; Privatbesitz, Deutschland

Literatur

Will Grohmann, Willi Baumeister - Leben und Werk, Köln 1963, WV-Nr. 1339 mit Abb. (als "Marmor-Reliefbild I"); Peter Beye und Felicitas Baumeister, Willi Baumeister, Werkkatalog der Gemälde II, 2002, WV-Nr. 1806 (Abb.), S. 713.

Expertise von Frau Felicitas Baumeister, vom 14. April 2008, liegt bei.
Wir bedanken uns beim Archiv Baumeister für die Bestätigung der Authentizität des Werkes.

 € 60.000

"Das umseitig abgebildete Gemälde 'Marmor-Reliefbild', 1952, 54 x 65 cm, Öl mit Kunstharz auf Hartfaserplatte, ist eine eigenhändige Arbeit von Willi Baumeister. Sie ist im Werkverzeichnis der Gemälde von 2002 unter der Nr. 1806 aufgeführt. Das Bild wurde mir im Original vorgelegt FB." (Felicitas Baumeister, 14. April 2008)

Das Marmor-Reliefbild reiht sich in eine Gruppe von 55 Arbeiten ein, deren Fokus auf Materialität und Form liegt. Diese Scheinreliefs, beinahe alle zwischen 1952 und 1953 entstanden, sind eine Weiterentwicklung der vorangehenden Arbeiten sumerischer und alttestamentarischer Thematik. Deren durch archaisches Formengut inspirierte Komposition wird hier in eine weitere Stufe der Abstraktion umgewandelt, bei der das Spiel der Malerei mit anderen künstlerischen Ausdrucksformen im Vordergrund steht. Die gewählt gesetzten, in sich geschlossenen Formen evozieren eine Reliefoberfläche, wobei das Nachziehen der Konturen der einzelnen Formen und Formkonglomerate in heller oder dunkler Farbe die Illusion von flacher Dreidimensionalität verstärkt. Diese Vorgangsweise findet sich auch in Baumeisters Zeichnungen wieder. Zusätzlich wird eine gänzlich andere Materialität beschworen: Viele der Reliefbilder wollen Marmor nachbilden, andere bearbeitetes Metall. Die Malerei bleibt in Farbflecken präsent, die sich von der Nachahmung des gewünschten Materials abheben, die Formen ausfüllen und hervorheben, oder hinterlegen.
Das Marmor-Reliefbild ist ein typischer Vertreter dieser stark auf Oberflächenwirkung und Materialität ausgelegten Werkgruppe. Die Scheinreliefs bilden die logische Fortsetzung der künstlerischen Entwicklung Willi Baumeisters aus Kubismus und Konstruktivismus, über die Arbeit mit archaischen Urformen hin zu einer speziellen Form der Abstraktion, die in ihrer Konsequenz in der Zeit nach 1945 allein steht. (Nina Binder)