Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

28. November 2013, 17:00 Uhr

0043

„Der Abschied Christi von Maria“
um 1515/20
Öl auf Holz
70 × 51 cm

Provenienz

Privatsammlung, Frankfurt am Main; Privatsammlung Luxemburg; österreichische Privatsammlung

Gutachten Dr. Bernd Konrad, Radolfzell, 7. Oktober 2013, liegt bei.

Schätzpreis: € 13.000 - 20.000
Ergebnis: € 13.000
Auktion ist beendet.

Neben der „Heimsuchung von Elisabeth durch Maria“ zählt die Darstellung „Christi Abschied von seiner Mutter Maria“ zu jenen Holzschnitten aus dem „Marienleben“ Albrecht Dürers (um 1502 begonnen, 1504 vollendet und 1510 als gebundenes Werk in Umlauf gebracht), welche am häufigsten in der deutschsprachigen Malerei des frühen 16. Jahrhunderts als Motivgrundlage benutzt worden ist. Auch der Künstler der vorliegenden Tafel muss Dürers bedeutende Holzschnittkomposition gekannt haben, hat diese jedoch in einem farblich und malerisch eigenständigen Werk ausgeführt. Die Gesichtstypen und die Lokalfarbigkeit der Gewänder sprechen für einen schwäbischen oder fränkischen Entstehungsraum des Gemäldes.

Neben zahlreichen kleinen Variationen im Detail, ist vor allem eine deutliche Eigenentwicklung in der Gestaltung des verästelten Baumes und in der Landschaft zu erkennen. So ist die Landschaft nicht wie bei Dürer in die Tiefe gestaltet, sondern erstreckt sich in die Höhe. Ein alpines Hochgebirge ist auch auf der oben genannten „Heimsuchung“ zu finden. Desweiteren weist die Monochromie der Felsenlandschaft stilistische Parallelen zu Albrecht Altdorfers Landschaftsgestaltung, wie z.B. der 1528 datierten „Alexanderschlacht“, auf. Auch Albrecht Altdorfer hat um 1520 ein Werk mit dem Thema des „Abschied Christi“ geschaffen, welches sich heute in der National Gallery, London, befindet.

Die unten links im Bild hinzugefügte, betende Ordensfrau lässt darauf schließen, dass es sich bei vorliegendem Gemälde um ein Einzelbild und nicht um den abgetrennten Teil eines größeren Retabels mit mehreren Bildszenen auf seinen Flügeln handelt. Wie beispielsweise die 1517 datierte „Blarer-Votivtafel“ (Konstanz, Rosgartenmuseum) zeigt, veranlasste gerade das Thema „Der Abschied Christi von Maria“ viele Auftraggeber zu eigenständigen Aufträgen als Epitaph oder Anbetungsbild (vgl. Gutachten Dr. Bernd Konrad). (KS)