Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

28. November 2013, 17:00 Uhr

0006

Jan Brueghel der Jüngere

(1601, Antwerpen - 1678, Antwerpen)

„Bacchus und Gefolge“
um 1635
Öl auf Holz, parkettiert
49 × 64 cm

Provenienz

europäische Sammlung

Gutachten Dr. Klaus Ertz, Lingen, den 26. September 2013, liegt bei.
Laut dem Gutachten von Dr. Klaus Ertz ist das vorliegende Gemälde ein eigenhändiges Werk Jan Brueghel d. J., entstanden um die Mitte der 30er-Jahre des 17. Jahrhunderts in Antwerpen, unter Mitwirkung eines Figurenmalers aus der Nachfolge des Otto van Veen (1556-1629), dem Lehrer von Peter Paul Rubens.

€ 70.000 - 140.000

Der auf einem Felsbrocken thronende, nur mit einem roten Tuch umschlungene Bacchus blickt den Betrachter direkt an und prostet ihm mit einem rotweingefüllten, venezianischen Flötenglas zu. Um ihn verstreut befinden sich die Attribute seiner Sinnenfreude: Putten mit Trauben in den Händen, Weinkrüge und ausgetrunkene Weinkelche; ein Geißbock, Symbol der sexuellen Begierde; ein schlafender Putto, die Stöcke seiner noch um den nackten Leib hängenden Trommel vor ihm über Kreuz liegend. Das vordere Bildzentrum nehmen zwei weitere Putten ein, die mit zwei liegenden Leoparden spielen. Der Leopard, als Symbol für Stärke, Wildheit, Aggressivität und Fruchtbarkeit, war in der Antike das Attribut der Artemis und des Dionysos (römischer Bacchus), dem im Kult des Bacchus in Ausgelassenheit wegen Bedeutung zukam. Jan Brueghel d. J. verwendete das Motiv des Leoparden in dieser Form auch häufig in seinen Paradieslandschaften.
Im rechten Bildvordergrund blickt ein phantasievoll gestalteter Faun über eine Erhebung der hügeligen Landschaft. Daneben zwei halbnackte Frauen, von denen die etwas höher stehende der anderen, die einen Faun säugt, Wein aus einer silbernen Kanne in eine goldene Tazza eingießt. Im Mittel- und Hintergrund tummelt sich unter einem Bacchus gewidmeten Rundtempel das Gefolge des Weingottes, bestehend aus Mänaden, Faunen, Bacchanten und Halbgöttern, alle in wildem, ekstatischen Rausch musizierend oder trinkend. Das fahle gelb-rote Licht einer untergehenden Sonne vor wolkenverhangenem Himmel erleuchtet die Szene. Vor dem Hintergrund des Waldes erfüllen zahlreiche umherfliegende Vögel den Luftraum der Komposition mit Leben, beispielsweise ein roter Ara, ein Dompfaff, eine Kohlmeise und ein Buchfink.

Wie Dr. Klaus Ertz in seinem ausführlichen Gutachten feststellt „…geht diese Komposition möglicherweise auf das Thema „Triumph des Bacchus“ zurück, die Ovid (Fastes, III, 713-771) als triumphale Heimkehr des Weingottes aus Indien beschreibt. In der italienischen Renaissance wurde es ausführlich wieder aufgegriffen und in Kupferstichen verbreitet. Diese Vorbilder dürften den flämischen Figurenmalern als allgemeine Anregung gedient haben. Das zu begutachtende Gemälde wurde vielleicht beeinflusst von der Komposition, die der Vater, Jan Brueghel d. Ä, in Zusammenarbeit mit Otto van Veen um 1620 schuf (vgl. Jan Brueghel d. Ä. und Otto van Veen, „Sine Cerere et Baccho friget Venus“, Kupfer, 29,8 x 38,3 cm, Belgien, Privatbesitz).
Von Beginn an spielt die „Mythologie“ im Werk Jan Brueghels d.J. eine große Rolle. …. Obwohl Jan d.J. das Werk des Vaters am intensivsten und sicherlich auch auf dem höchsten Niveau fortgeführt hat, wenn er sich bis in die 30er-Jahre des 17. Jahrhunderts als der Wahrer des väterlichen Erbes zu erkennen gibt, zeigt er doch in dem zu begutachtenden Bild, dass er vor allem ein eigenständiger Maler ist, der in diesem Bild aus eigenem Gedankengut schöpft, ebenso wie der Figurenmaler, dessen Figuren an Otto van Veen erinnern. Jan d.J. versteht es in diesem Bild meisterhaft, altes Gedankengut mit neuen Formen und seinen eigenen stilistischen Mitteln zu verknüpfen und so zu neuen Bildinhalten zu kommen...“ (vgl. Gutachten Dr. Klaus Ertz). (KS)