Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

26. November 2013, 19:00 Uhr

0720

Otto Muehl*

(Grodnau/Bgld. 1925 - 2013 Moncarapacho/Portugal)

„Vincents Traum II“
1984
Öl auf Leinwand
120 × 160 cm
Signiert, datiert und bezeichnet rechts unten: M. 4.4.84, Vincents Traum II

Provenienz

Privatbesitz, Österreich

Literatur

Leopold Museum (Hg.), Otto Muehl, Sammlung Leopold, Wien 2010, Abb. S. 144

€ 32.000

Otto Mühl setzt sich in seinem Oeuvre immer wieder mit den Inkunabeln der Kunstgeschichte auseinander. In seinen künstlerischen Anfängen (1954) malt er unter anderem Vincent van Goghs Sonnenblumen in einer sehr klassischen Form nach. Allerdings ändert er seinen Stil bald radikal. Es folgen Materialbilder, Collagen, Aktionen und Aktionsmalerei. Die Gründung der Mühl Kommune (AAO) 1970 basiert auf der Idee Kunst und Leben zu vereinen und sich von jeglichen Zwängen zu befreien. Die Kunstproduktion ist in den 80er Jahren ein wesentlicher ökonomischer Faktor. Otto Mühl, der die Aufgabe eines Kunstpädagogen übernimmt, kehrt in seinen Arbeiten zu den klassischen Medien wie Video und Malerei zurück. 1984 dreht er den Spielfilm „Vincent“, über das (un)wirkliche Leben von Vincent van Gogh. Parallel dazu entsteht ein umfangreicher Bildblock von „Van Gogh Paraphrasen“.
Thema, Farbe und Malstil lassen einen Hinweis auf Van Gogh erkennen, aber Mühl erzählt eine völlig eigene Geschichte. Die Arbeit hier ist geprägt von einer lustvollen, haptischen Farbigkeit. Zügig, spontan und schnell setzt Mühl in pastosen, rhythmischen Pinselstrichen sein Motiv zusammen. Er sieht van Gogh als verklemmten Triebmenschen, als tragisch-komischen Lustmolch, der seine aufgestaute Sexualität in einem voyeuristischen Traum auslebt. Es gibt zwei Fassungen von Vincents Traum (Abb. Vincents Traum, Ausstellungskatalog MAK 2004, Otto Mühl, Kunst / Leben / Werk, Aktion Utopie Malerei 1960 – 2004, S. 310). Das Motiv ist gleich, allerdings rückt es Mühl in der vorliegenden Fassung näher an den Betrachter. Die Farben sind intensiver durch die vorherrschenden rot/gelb Töne und der Pinselstrich ist von einer ungezähmten Wildheit. Malerisch wie menschlich entzaubert Otto Mühl die Ikone Vincent, und entführt ihn in eine von allen Zwängen befreite Phantasie. (Christa Armann)